Dienstag, 20. Februar 2018

Bulthaupt-Kolumne Keine Angst vor steigenden Kursen

Stehen wir wieder am Beginn einer neuen Blase? Diese Frage stellen sich derzeit viele Anleger, offenbar verunsichert durch die rasanten Zuwachsraten vieler Aktienindizes. Doch es gibt gute Gründe, Aktien wieder mehr Vertrauen zu schenken.

Immerhin sind der Deutsche Aktienindex Dax und der S&P 500 seit Jahresbeginn um 15 Prozent, seit ihren Tiefstständen während des Irak-Krieges sogar um 50 Prozent (Dax) beziehungsweise um 25 Prozent (S&P 500) geklettert. Diese Steigerungsraten rufen Erinnerungen an die Phase 1997 bis Anfang 2000 wach - mit bekanntem Ende.

  Frank Bulthaupt , Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Damals waren die Aktienmärkte im Begriff abzuheben, während wir gegenwärtig lediglich Zeugen eines Normalisierungsprozesses sind: Die Risikoaversion der Anleger gegenüber Aktien baut sich stetig ab, aber ohne die Euphorie des Frühjahrs 2000 auch nur näherungsweise zu erreichen. Investoren verlassen die vermeintliche Geborgenheit des "safe haven" und binden ihr Kapital nicht länger in Staatsanleihen.

Diese Entwicklung wird begleitet durch sinkende Liquiditätsprämien: Die Angst zieht sich aus den Kapitalmärkten zurück und infolgedessen erfolgen Umschichtungen in Richtung risikobehafteter Anlagen.

Unternehmensgewinne auf Rekordhoch

Und die harten Fakten sind für Aktien rosiger als noch vor kurzem erwartet. Die Vorsteuergewinne der US-Kapitalgesellschaften (Gewinne aus laufender Produktion) lagen im zweiten Quartal dieses Jahres um satte 15 Prozent über ihrem Vorjahresniveau und übertrafen sogar das Allzeithoch von Ende 1997. Vor diesem realwirtschaftlichen Hintergrund hat der S&P 500 mittlerweile ein fundamental gerechtfertigtes Niveau erreicht, während die europäischen Indizes vergleichsweise günstiger bewertet sind.

Allerdings sitzen die Abwärtsrisiken noch nicht im Johanniskasten: Viele europäische Volkswirtschaften schrammen gegenwärtig an einer Stagnation vorbei und auch der amerikanische Arbeitsmarkt weist Schwächen auf. Zusätzlich leidet der US-Verbraucher als Garant stetiger Nachfrage unter kräftig angezogenen Hypothekenzinsen.

Begründeter Optimismus

Blicken wir über den Quartalsrand hinaus nach vorne: Das Gewinnwachstum der US-Kapitalgesellschaften bietet den Unternehmern im Umfeld sinkender Reallöhne günstige Bedingungen für eine Aufstockung ihrer Belegschaft. Auch die jüngsten Umfrageergebnisse - vom Ifo-Test bis zu den europäischen Einkaufsmanagerindizes - sind aufwärts gerichtet. Selbst das Weltwirtschaftsklima (Ifo World Economic Survey) - Nordamerika, Westeuropa und Asien - zeigt klare Besserungen.

Aktien auch 2004 günstiger als Bonds

Mit Blick auf die US-Leitbörse erwarten wir für das kommenende Jahr angesichts eines voraussichtlich moderaten Wirtschaftswachstums Gewinnsteigerungen bei den Kapitalgesellschaften von rund acht Prozent. Die Fortsetzung des Aufwärtstrends an den Aktienbörsen ist infolgedessen fundamental angelegt. In diesem Umfeld dürften Aktien das zweite Jahr in Folge eine merklich höhere Performance abwerfen als Anleihen.

Gleichzeitig dürfte sich der Prozess des Angstabbaus beiderseits des Atlantiks weiter fortsetzen. Zerberus verlässt die Finanzmärkte.


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