Mittwoch, 14. November 2018

Deutsche Bank Eine Rede für alle

Wie feiert man den Aufstieg zur Nummer Eins weltweit? Vorstandssprecher Rolf Breuer gibt eine Pressekonferenz in New York und sendet seine Rede per Satellit an alle rund 96.000 Mitarbeiter. 5.500 von ihnen müssen gehen.

New York/Frankfurt - Die Deutsche Bank wird durch die Übernahme der US-Investmentbank Bankers Trust zum weltgrößten Kreditinstitut. Dies teilte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (Frankfurt/Main), Rolf Breuer, am Freitag auf einer Pressekonferenz in New York und in einer via Satellit übertragenen Ansprache an die rund 96 000 Mitarbeiter der beiden Banken mit.

Die Deutsche Bank bringt es jetzt auf eine Bilanzsumme von zusammen 795 Milliarden Euro (1,55 Billionen DM). Sie zahlt für die ausstehenden Aktien von Bankers Trust rund neun Milliarden Dollar (16,9 Mrd DM). Das sind 93 Dollar je Aktie. Die Bankers Trust ist die achtgrößte US-Bank. Es handelt sich um die bisher größte Übernahme eines amerikanischen Kreditinstituts durch eine ausländische Bank.

Es werden laut Breuer wegen Überschneidungen insgesamt 5 500 Mitarbeiter beider Banken entlassen. Es gibt dabei aber in Deutschland nach seinen Angaben keinen einzigen Stellenverlust. Die Stellenstreichungen sollen zu jeweils etwa 50 Prozent in London und New York erfolgen. Die Entlassungen betreffen je zur Hälfte die Deutsche Bank und die Bankers Trust.

Breuer hob hervor, daß man "nicht warten, nicht zögern, sondern schmerzhafte Entscheidungen sofort treffen" müsse. Es gebe bei jeder Fusion Gewinner und Verlierer. Die Stimmung sei jedoch sehr gut. Die Entlassungen sollen bis Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein.

"Durch die Akquisition von Bankers Trust erhält die Deutsche Bank jetzt neben der führenden Stellung in Europa auch eine starke Stellung in den Vereinigten Staaten", sagte Breuer. Sie stärkt durch die Übernahme vor allem ihr Investmentbanking-Geschäft.

Nach Breuers Angaben wird die Marke Bankers Trust grundsätzlich in der Marke Deutsche Bank aufgehen. Eine Ausnahme bilde das Private Banking-Geschäft in den USA, wo die Marke Bankers Trust beibehalten werde. Die Deutsche Bank will jetzt vor allem in Europa weiter expandieren. Der Bankers Trust-Kauf müsse erst verdaut werden. Es sei das Ziel, "aus eins und eins mehr als zwei zu machen".

Die Zusammenlegung läuft nach abgeschlossenen Vorbereitungen auf Hochtouren. Bereits am kommenden Montag sollen 700 Händler der Deutschen Bank und der Bankers Trust in New York gemeinsam in der US- Zentrale des deutschen Kreditinstituts zusammenarbeiten. Laut Breuer sollen zum 30. Juni 1999 erstmals konsolidierte Zahlen vorgelegt werden.

Die Deutsche Bank ist nach dieser Übernahme in 68 Ländern vertreten. Ende des vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bank 75 306 Mitarbeiter, Bankers Trust 20 541. Nach der Integration werde die Hälfte der Mitarbeiter der Deutschen Bank außerhalb Deutschlands arbeiten. Zum 31. März dieses Jahres wies die Deutsche Bank eine Bilanzsumme von 677 Milliarden Euro auf, während Bankers Trust auf 118 Milliarden Euro kam. Das Kreditvolumen beträgt bei der Deutschen Bank 258 Milliarden Euro und bei Bankers Trust 18 Milliarden Euro.

Die Diskussion über jüdische Kompensationsansprüche habe keine Zeit gekostet. Allerdings hat sich die New Yorker Bankenaufsicht nach Angaben Breuers in Frankfurt davon überzeugt, "daß wir gute und zügige Arbeit" bei der Bewältigung der Dritte-Reich-Vergangenheit geleistet haben. Die Fusionspläne waren vor sechs Monaten bekanntgegeben worden.

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