Dienstag, 11. Dezember 2018

Netjets im Profil Fliegen für einen Bruchteil

Das Konzept der Firma Netjets hat der privaten Flugbranche in den USA einen Boom beschert. Auch in Europa schickt sich der Timesharing-Pionier an, den großen öffentlichen Fluglinien einige begehrte Business-Passagiere abzujagen.

Die Firma Netjets wurde 1986 in den USA gegründet, 1996 kam der Ableger "Netjets Europe" hinzu. Gründer Richard Santulli wertete monatelang Logbücher aus und ersann ein kompliziertes logistisches Modell, damit das Prinzip des "Timesharing" von Jets funktionieren konnte: Die Nutzer teilen sich die Kosten, können aber an jedem beliebigen Tag Flugzeuge der Netjets-Flotte nutzen, bis ihr Stundenkontingent verbraucht ist.

Ein Sechzehntel ist das Minimum: Auch die Hawker 800XP gehört zur Netjets-Flotte
Ein Kunde muss mindestens ein Sechzehntel Anteil eines Jets erwerben (Kosten ca. 700.000 Dollar) und kann im Gegenzug die Dienste eines Jets samt Crew für 50 Stunden pro Jahr nutzen. Ein Achtel Anteil berechtigt zu 100 Flugstunden, ein Viertel Anteil zu 200 Stunden und so weiter.

Auf diese Weise reise man günstiger als mit dem eigenen Jet, der oft ungenutzt im Hangar stehe, wirbt Santulli. Für Firmen böten sich nicht nur steuerliche Vorteile: Da beliebig viele Mitarbeiter eines Netjets-Kunden den Flugservice nutzen dürfen, steige die Produktivität der Kunden deutlich.

Bruce Willis fliegt anteilig

Rund 400 Flugzeuge der Marken Cessna, Boeing, Dassault Falcon und Gulfstream gehören zur Netjets-Flotte. Das Unternehmen zählt etwa 3000 Kunden, darunter Bruce Willis, Pete Sampras und Tiger Woods.

Unmittelbar nach dem 11. September stieg die Nachfrage sprunghaft an: Die Angst vor weiteren Anschlägen sowie die endlosen Warteschlangen an den Flughäfen bewegten viele Betuchte und Geschäftsreisende dazu, auf private Flugdienste umzusteigen.

Wachstumsmarkt Europa

Nicht nur Prominente, sondern auch Firmen wie General Electrics oder Sun Microsystems stehen auf der Kundenliste. Während in Amerika die Konkurrenz etwa mit "Delta Air Elite" wächst, ist Europa noch weitgehend unerschlossen. Die größten Wachstumshoffnungen von Netjets liegen daher auf dem alten Kontinent.

"Unsere größte Kundengruppe in diesem Jahr besteht aus Unternehmen, die ihre eigenen Privatjets verkauft und stattdessen Anteile bei uns gekauft haben", sagt Charles Mac Lean, Sprecher von Netjets Europe. Mit derzeit rund 250 Kunden ist die Zahl noch übersichtlich, hat sich aber immerhin binnen Jahresfrist verdoppelt. Mac Lean setzt auf Mundpropaganda: "Zufriedene Kunden sind unsere wichtigsten Multiplikatoren."

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