Donnerstag, 15. November 2018

Bilanzfälschung Manager hinter Gittern

Ein weiteres unrühmliches Nemax-Kapitel wird geschlossen. Ex-Ceyoniq-Vorstand Thomas Wenzke muss wegen Betrugs eine Gefängnisstrafe absitzen.

Bielefeld - Das Landgericht Bielefeld hat Thomas Wenzke am Donnerstag unter anderem wegen Bilanzfälschung zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Ex-Manager habe auf Rechtsmittel verzichtet und das Urteil angenommen, es sei damit rechtskräftig, sagte ein Gerichtssprecher auf Anfrage von manager-magazin.de.

 Karriereknick : Der frühere Ceyoniq-Vorstand Thomas Wenzke (l.) ist verurteilt, gegen seinen Ex-Kollegen Hans-Jürgen Brintrup wird noch ermittelt
Karriereknick: Der frühere Ceyoniq-Vorstand Thomas Wenzke (l.) ist verurteilt, gegen seinen Ex-Kollegen Hans-Jürgen Brintrup wird noch ermittelt
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Wenzke die Bilanzen seines Unternehmens geschönt und anschließend Kredite in Millionenhöhe erschwindelt hatte. Der Schaden der Betrügereien soll sich auf rund zehn Millionen Euro belaufen.

Die Richter verurteilten den Ex-Manager wegen Betruges, Kreditbetruges, Urkundenfälschung und unrichtiger Erstellung von Bilanzen. Mit dem Urteil folgten sie dem Antrag des Staatsanwaltes. Die Verteidigung des Managers hatte dagegen lediglich für eine "milde Strafe" plädiert.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Die Untersuchungen im Fall Ceyoniq Börsen-Chart zeigen sind damit noch nicht abgeschlossen. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft auch noch gegen Wenzkes früheren Vorstandskollegen Hans-Jürgen Brintrup. Nach Angaben des Bielefelder Gerichts könne in diesem Falle in Kürze eine Klage eingereicht werden.

Bislang hat Brintrup eine Verstrickung in die Manipulationen abgestritten. Der Ex-Vorstand war bei Ceyoniq für die Bereiche Marketing, Strategie, Vertrieb, Forschung und Entwicklung verantwortlich.

Wenzke hatte 1984 als Informatikstudent seine erste Software-Firma gegründet. 1998 wurde die Ceyoniq-Vorgängergesellschaft CE AG an den Neuen Markt der Börse gebracht, der Aktienkurs erreichte seinen Höchstwert bei 170 Euro. Das Unternehmen für Dokumentensoftware beschäftigte in Spitzenzeiten nach eigenen Angaben bis zu 1000 Mitarbeiter weltweit.

Im April 2002 hatte die Ceyoniq AG Insolvenz angemeldet. Wenzke und Brintrup wurden festgenommen. Die Nachfolgegesellschaft, die Ceyoniq GmbH, beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit 110 Mitarbeiter.

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