Freitag, 16. November 2018

Mannheimer Erster Fall für den "Protektor"

Die angeschlagene Mannheimer Lebensversicherung stellt ihr Neugeschäft ein und wird abgewickelt. Die rund 345.000 bestehenden Versicherungspolicen werden so schnell wie möglich auf die Auffanggesellschaft Protektor übertragen.

Berlin - "Die Übertragung der Versicherungsbestandes auf Protektor wird unverzüglich vorbereitet", teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Donnerstag Abend im Anschluss an ein Treffen mit dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Es sei eine Sache von Wochen oder Monaten, bis die Bestände der Mannheimer Leben auf Protektor übergehen, erläuterte eine BaFin Sprecherin.

Protektor wird die rund 345.000 Verträge der Lebensversicherungs-Kunden weiter erfüllen. Neue Lebensversicherungs-Verträge werden nicht mehr abgeschlossen. Für die Mannheimer Krankenversicherung AG und die Schaden- und Unfallsparte Mannheimer Versicherung AG bestehe kein Anlass für aufsichtsrechtliche Maßnahmen.

 Beben in der Branche: Die Sanierung der Mannheimer Leben ist gescheitert. Das Neugeschäft wird eingestellt
Mannheimer Versicherung
Beben in der Branche: Die Sanierung der Mannheimer Leben ist gescheitert. Das Neugeschäft wird eingestellt
BaFin und GDV betonten, die Verträge der Lebensversicherungsnehmer seien nicht gefährdet. Am Mittwoch waren die Verhandlungen der Branche über eine freiwillige Rettungsaktion für die Mannheimer Lebensversicherungssparte gescheitert. Vor allem große ausländische Versicherer wollten kein frisches Kapital für die Mannheimer aufbringen.

Kunden der Mannheimer Leben haben laut Bafin und GDV keine Nachteile. "Protektor ist ein von der BaFin zugelassenes, von der gesamten Branche getragenes Lebensversicherungsunternehmen, das über Finanzmittel von über fünf Milliarden Euro verfügen kann", heißt es in der BaFin Erklärung. Damit sei Protektor in der Lage, die Verträge der Versicherer fortzuführen. Aus Sicht des GDV ist für die Mannheimer Leben nur ein Bruchteil der fünf Milliarden nötig.

Die Verträge aus der Sach- und Krankenversicherung seien nicht gefährdet, teilte die BaFin mit. Möglicherweise wird die Krankenversicherungssparte nach einer Zerlegung der Mannheimer-Gruppe durch ein Konzept des Verbandes der privaten Krankenversicherung aufgefangen. Die Mannheimer AG Holding Börsen-Chart zeigen beschäftigte zum Ende des ersten Quartals 1190 Mitarbeiter, 289 davon waren in der Leben-Sparte angestellt.

Die Mannheimer Leben hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert und benötigt rund 370 Millionen Euro frisches Eigenkapital. Der Mannheimer-Konzern hatte 2002 einen Verlust von 50 Millionen Euro verbucht. In den ersten drei Monaten dieses Jahres betrug das Minus knapp 64 Millionen Euro, wovon 57 Millionen auf die Lebensversicherung entfielen. GDV und BaFin wollten den Imageschaden für das Produkt Lebensversicherung begrenzen und hatten bis zuletzt auf eine freiwillige Branchenlösung außerhalb von Protektor gerungen. Doch am Mittwoch waren die Verhandlungen der Branche über eine freiwillige Rettungsaktion für die Mannheimer Lebensversicherungssparte gescheitert.

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