Dienstag, 20. Februar 2018

Geldwäsche Was wusste Putin?

Die in Frankfurt börsennotierte Sankt Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG (SPAG) soll Millionen für die Russen-Mafia gewaschen haben. Der russische Präsident Putin saß über sieben Jahre lang im Beirat des hessischen Unternehmens.

Wiesbaden/Darmstadt - Dem Bundeskriminalamt (BKA) ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, eine deutsche Aktiengesellschaft als mutmaßliche Geldwaschanlage der Russen-Mafia zu enttarnen. Nach Informationen von manager-magazin.de handelt es sich dabei um die 1992 gegründete Sankt Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG (SPAG) Börsen-Chart zeigen mit Sitz im südhessischen Mörfelden-Walldorf.

Am Dienstag waren im Rhein-Main-Gebiet, in Hamburg und München insgesamt 28 Firmen und Wohnungen durchsucht worden. Markus Rese, Vorstand der SPAG, bestritt gegenüber manager-magazin.de die Vorwürfe: "Dies ist der Versuch, mit einer Schrotflinte in eine dunkle Scheune zu schießen, um irgend jemanden zu treffen".

Die Vorwürfe der Justiz, so Rese, seien ihm seit langem bekannt, und gegen sein Unternehmen werde bereits seit dem Jahr 2000 ermittelt. Doch bisher hätten die Untersuchungen nichts erbracht.

Auch die Baader AG wurde durchsucht

Unter den durchsuchten Objekten war auch die Baader Wertpapierhandelsbank AG Börsen-Chart zeigen im bayerischen Unterschleißheim, die laut IR-Sprecher Nico Baader eine rund 30-prozentige Beteiligung an der SPAG erworben und das Unternehmen Ende Dezember 1997 an die Börse gebracht hatte.

Nico Baader gegenüber manager-magazin.de: "Diese Beteiligung ist durch den Kursverfall der SPAG-Aktie auf einen Restbuchwert von unter eine Million Euro gesunken. Unser Engagement bei der Sankt Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG ist ein rein finanzielles Investment."

Erste Verdachtsmomente im September 2001

Baader weiter: "Von den laut BKA kriminellen Handlungen des Unternehmens war uns nichts bekannt." Man habe zwar über den Baader-Aufsichtsrat Horst Schiessl, der auch im SPAG-Aufsichtsrat saß, "gewisse Einblicke" in das Unternehmen, aber für eine umfassende Beurteilung der hessischen Gesellschaft reiche das nicht aus. Laut Homepage der Baader AG ist Schiessl seit fast 30 Jahren als Rechtsanwalt tätig und wurde am 10. Juli 2002 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt.

Was wusste er? Wladimir Putin
Vor einiger Zeit hatte bereits das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" in seiner Ausgabe vom 3. September 2001 über die Verdachtsmomente berichtet. Der Artikel mit der Überschrift "A Stain on Mr. Clean" befasst sich vor allem mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der seit der SPAG-Gründung im Jahr 1992 einen Sitz im Beirat der SPAG hatte.

Dieses Amt legte er nieder, als er im März 2000 zum Präsidenten gewählt wurde. Vorher war er bis 1996 für einige Jahre stellvertretender Bürgermeister von Sankt Petersburg gewesen.

SPAG-Chef: Putin saß nur "ehrenhalber" im Beirat

Das hessische Unternehmen reagierte mit einem scharfen Dementi auf die Darstellung in "Newsweek". In einer Stellungnahme heißt es über den Artikel: "Irgendwelche Belege oder auch nur Indizien für diese abenteuerlichen Behauptungen werden nicht geliefert."

Gegenüber manager-magazin.de relativierte Vorstand Markus Rese nun Putins Tätigkeit für die SPAG. Diese Position, so Rese, habe Putin nur "ehrenhalber" angenommen. Ansonsten sei der russische Politiker bei der Aktiengesellschaft seines Wissens nie in Erscheinung getreten.

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