Freitag, 14. Dezember 2018

Anlagerecht Schadensersatz für "Harakiri"-Verluste

Das Landgericht Osnabrück verurteilt die Kreissparkasse Grafschaft Bentheim zu Nordhorn zu 761.855 Euro Schadensersatz wegen fehlerhafter Beratung bei Yen-Geschäften.

Osnabrück - Erneut wurde ein Finanzinstitut wegen Falsch-Beratung zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. Betroffen diesmal: Die Kreissparkasse Grafschaft Bentheim zu Nordhorn. Das Landgericht Osnabrück entschied am 20. März 2003 (Az. 5 O 1301/01), dass die KSK zwei Anlegern, vertreten durch die Kanzlei Tilp & Kälberer (Kirchentellinsfurt), insgesamt 761.855 Euro zahlen muss. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Den zu zahlenden Betrag hatten die Kläger verloren, als sie der Empfehlung eines Mitarbeiters der niedersächsischen Sparkasse folgten und kreditfinanzierte Yen-Geschäfte kombiniert mit Stillhaltergeschäften durchführten. Nach Ansicht des Gerichts hat die Bank die beiden Kläger nicht ordnungsgemäß beraten.

Insbesondere, so die Richter, entstand durch eine extra für die Kunden angefertigte Grafik der (falsche) Eindruck, die Gewinnchance sei größer als die Verlustgefahr. Außerdem sei das hohe Verlustrisiko, gerade bei den empfohlenen Stillhaltergeschäften, verharmlost worden.

Der so genannte "Harakiri-Fall" hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt. Sogar der Niedersächsische Landtag und das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen befassten sich mit dem Thema. Insgesamt sollen Kunden der Sparkasse mindestens 30 Millionen Mark verloren haben.

Inzwischen streiten zahlreiche Anleger mit der Sparkasse vor Gericht um die Frage, wer den entstandenen Schaden zu ersetzen hat. Nach Informationen der Kanzlei Tilp & Kälberer hat das Institut bislang zwei Prozesse gewonnen. Ein weiterer Fall endete mit einem Vergleich.

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