Mittwoch, 19. Dezember 2018

EM.TV Ganz normale Kursschwankungen

Ein Betrug sei nicht nachweisbar, besagt ein neues Gutachten im Prozess gegen die Haffa-Brüder. Damit könnte die Anklage gegen die beiden ehemaligen EM.TV-Vorstände zusammenbrechen. Nun hängt alles vom nächsten Gutachten ab.

München - Die Staatsanwaltschaft hat in dem Prozess gegen die früheren EM.TV-Vorstände Thomas und Florian Haffa einen herben Rückschlag erlitten. Sie will den beiden Brüdern Kursbetrug nachweisen, doch nach der Einschätzung eines Experten sind die Kursschwankungen der EM.TV-Aktien Börsen-Chart zeigen nicht unbedingt auf falsche Angaben des Vorstands zurückzuführen.

 Vor Gericht: Die Brüder Florian und Thomas Haffa (rechts) sehen sich schon gerettet
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Vor Gericht: Die Brüder Florian und Thomas Haffa (rechts) sehen sich schon gerettet
"Ich kann nicht ausschließen, dass die positive wie negative Kursreaktion nicht reines Zufallsereignis ist", sagte der Wirtschaftsprofessor Bernd Rudolph am Montag vor dem Landgericht München. In der Hektik des Marktes wären Kursschwankungen von zehn Prozent nicht außergewöhnlich gewesen. "Das kam häufiger vor", so der Experte.

Die Verteidigung wertete die Aussage als Beleg, dass die Haffas sich nicht des Kursbetruges schuldig gemacht hätten. "Der Vorwurf eines Kursbetruges hat keine Nahrung gefunden", sagte Anwalt Sven Thomas. Maximal komme nun noch eine Ordnungswidrigkeit in Frage. Staatsanwalt Peter Noll gab sich enttäuscht: "Der Nachweis des Kursbetruges ist nicht leichter geworden."

Legal oder illegal

Die beiden Unternehmensgründer Thomas und Florian Haffa, die EM.TV als Vorstands- beziehungsweise Finanzchef leiteten, sind angeklagt, die schwierige Situation bei dem TV-Rechtehändlers lange verschwiegen zu haben. Stattdessen sollen sie im August 2000 geschönte Halbjahreszahlen vorgelegt haben, so der Vorwurf.

EM.TV war im Sommer 2000 vor allem wegen überteuerter Einkäufe in Schwierigkeiten geraten. Die im August veröffentlichten Halbjahreszahlen musste der Filmrechtehändler im Oktober wegen Buchungsfehlern korrigieren. Im Dezember veröffentlichte das Unternehmen eine drastische Gewinnwarnung. Der Aktienkurs brach insgesamt um mehr als 90 Prozent ein.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen nun die Halbjahreszahlen 2000, die nach Auffassung der Anklage in einer Pflichtmitteilung einen zu positiven Ausblick für das Restjahr enthielten. Die Aktie war nach Vorlage der Zahlen im August 2000 von gut 62 auf 55 Euro abgestürzt, was Analysten damals mit einem unter den Erwartung liegenden Ergebnis begründet hatten. In den folgenden Wochen war der Aktienkurs noch weiter gesunken.

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