Dienstag, 26. März 2019

Metabox Ein Fall für den Kadi

Die Ermittlungen bei der Skandalfirma haben offenbar zu einer Anklage gegen den Gründer Stefan Domeyer geführt. Der Ex-CEO soll sich des Kursbetrugs schuldig gemacht haben.

München/Hannover - Nach monatelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Hannover nun Anklage gegen den ehemaligen Metabox-Chef Stefan Domeyer erhoben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Domeyer soll sich vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Hildesheim wegen Kursbetrugs in zwei Fällen verantworten.

 Im Visier der Ermittler: Stefan Domeyer
Im Visier der Ermittler: Stefan Domeyer
Die einst am Neuen Markt notierte Metabox AG Börsen-Chart zeigen, laut Eigenauskunft "Kompetenzträger zur Einführung und Durchsetzung des interaktiven Fernsehens", hatte in der Vergangenheit mehrfach mit Ad-hoc-Meldungen für Aufsehen, aber auch für Verärgerung gesorgt, da entscheidende Details der gemeldeten Abschlüsse oft unerwähnt blieben. So weigerte sich Firmengründer Stefan Domeyer beispielsweise jahrelang, Namen der gemeldeten Vertragspartner zu nennen, was Anleger und Juristen gleichermaßen misstrauisch machte.

Bei der jetzt vorgelegten Klageschrift, die nach Informationen von manager-magazin.de 31 Seiten umfasst und auf den 18. Dezember 2002 datiert ist, geht es vor allem um zwei Ad-Hoc-Meldungen: Eine wurde herausgegeben am 10. April 2000, die andere am 28. Juni 2000.

Rasanter Kursanstieg nach positiver Meldung

In der ersten Meldung hieß es wörtlich: "Die Metabox International AG, die für das internationale Geschäft zuständige Tochtergesellschaft des Hildesheimer Set-Top-Boxen-Herstellers Met@box AG (MBX), hat eine strategische Allianz mit einem ausländischen Unternehmen geschlossen. Vereinbart wurde die Lieferung von Multimedia-Set-Top-Boxen, Server-Technologie und BOT-Ausstattung im Wert von einer halben Milliarde Deutsche Mark."

Aufgrund der hohen Vertragssumme kam es im Umfeld der Meldung zu einem erheblichen Kursanstieg der Aktie, zumal gleichzeitig die Planzahlen des Unternehmens deutlich angehoben wurden. Das Papier stieg am Tag der Meldung auf 47,90 Euro, ein Plus von über 22 Prozent.

Ähnlich stark reagierte die Aktie bei der Meldung vom 28. Juni 2000. Dort hieß es unter anderem, man habe einen "Letter of Intend mit Inter-Nordic (Odense, Dänemark) über insgesamt 1,8 Millionen Metabox-Set-Top-Boxen geschlossen". Inter-Nordic sei "ein Zusammenschluss von Investoren aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island". Außerdem sei für diese Länder "eine exklusive Zusammenarbeit mit der Metabox AG vereinbart" worden.

Die Anleger hörten dies mit Freude. Das "Handelsblatt" berichtetete am 7. Juli 2000: "... die so genannten Metaboxen - Geräte für einen Internet-Zugang über das Fernsehgerät - verkaufen sich inzwischen wie warme Semmeln. Gestern meldete das Unternehmen bereits den dritten Großauftrag innerhalb einer Woche."

Weiter heißt es: "Diesmal sollen 500 000 Boxen mit einem Volumen von knapp 400 Millionen DM an die französische Worldsat geliefert werden. Die Metabox-Aktie gewann 45,4 Prozent auf 187,75 Euro. Binnen einer Woche hat sich ihr Kurs fast verdreifacht."

Bald allerdings wurden Zweifel am Wahrheitsgehalt der Meldungen laut. Anfang 2001 kam es zu einer umfangreichen Razzia bei Metabox, bei der Geschäftsräume und Privatwohnungen von leitenden Angestellten durchsucht wurden.

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