Dienstag, 20. November 2018

Salzgitter AG Verhandlungen vereinbart

Nun soll Tacheles geredet werden. Der niedersächsische Stahlkonzern und die luxemburgische Arbed-Gruppe wollen über einen Zusammenschluß verhandeln.

Hannover - Das niedersächsiche Finanzministerium teilte am Freitag abend in Hannover mit, die Salzgitter AG, ihre Großaktionäre und Arbed wollten in absehbarer Zeit nähere Verhandlungen aufnehmen. Bei ersten Gesprächen am Freitag habe darüber Einigkeit bestanden, "daß das gemeinsam entwickelte industrielle Konzept erhebliche Chancen für beide Unternehmen beinhaltet". Vor Beginn der Gespräche hatte Finanzminister Heinrich Aller erklärt, eine mögliche Kooperation mit Arbed müsse der Salzgitter AG ein Höchstmaß an Eigenständigkeit garantieren.

Am Freitag führten die Salzgitter-Großaktionäre, das Land Niedersachen und die Norddeutsche Landesbank (NordLB), nach Angaben des Finanzministeriums erstmals Gespräche mit den Führungsspitzen der beiden Utnernehmen über die Konzeption einer möglichen gesellschaftsrechtlichen Verbindung. An dem Gespräch hätten Ministerpräsident Gerhard Glokowski (SPD), Finanzminister Heinrich Aller, die Vorstandschefs der beiden Unternehmen, die NordLB-Führung sowie der Verwaltungsratsvorsitzende der luxemburgischen Arbed-Gruppe, Joseph Kirsch, und der Aufsichtsratschef der Saltzgitter AG, Peter Adams teilgenommen. Die Gespräche sollen in absehbarer Zeit, nachdem die Organe und Betriebsvertretungen der Salzgitter AG eingebunden seien, fortgesetzt werden.

Vor Beginn der Gespräche hatte Finanzminister Aller betont, es müsse zuerst geklärt werden, ob überhaupt über einen Verkauf verhandelt werden könne. Berichte, wonach es bereits konkrete Übernahmeverhandlungen gebe, seien eindeutig falsch. Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, gehe es dabei um eine strategische Allianz, die die Kompetenzen des Standortes Salzgitter stärken müsse. Niedersachsen bestehe auf Sicherung der Standorte, der Produktion, der Arbeitsplätze und der Montanmitbestimmung.

Analysten sehen einen möglichen Zusammenschluß überwiegend positiv. Strategisch bekomme Salzgitter einen starken Partner, hieß es. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund des weltweiten Abschwungs in der Stahlbranche mit fallender Nachfrage und sinkenden Preisen. Die Unternehmen seien jedoch von unterschiedlicher Größe. Zudem kämpfe Arbed mit hohen Schulden, während die Salzgitter AG finanziell "ziemlich gesund" sei.

Bei einem Zusammengehen der Arbed-Gruppe mit der Salzgitter AG würde der größte Stahlhersteller Europas entstehen. Arbed und Salzgitter zusammen hätten 1997 etwa 23,5 Millionen Tonnen Rohstahl produziert, wobei Arbed nach Angaben der IG Metall etwa viermal so viel Stahl wie die Salzgitter AG erzeugt. Beide Unternehmen zusammen liegen mit ihrem Jahresaussstoß in Europa den Angaben zufolge etwa 600.000 Tonnen vor der französischen Usinor und 4,7 Millionen Tonnen vor der deutschen Thyssen Krupp Stahl.

Die Arbed-Gruppe hatte Ende 1997 insgesamt 38.130 Mitarbeiter und setzte umgerechnet rund 13 Milliarden Mark um. Dabei erwirtschaftete Arbed einen Gewinn von 249 Millionen Mark. Die Salzgitter AG beschäftigte zuletzt rund 12.200 Mitarbeiter und wies für das abgelaufene Geschäftsjahr 6,4 Milliarden Mark Umsatz und 148 Millionen Mark Gewinn aus.

Das Land ist über die Beteilgungsgesellschaft mit 25,5 Prozent an der Salzgitter AG beteiligt, die NordLB hält etwa 14 Prozent treuhänderisch für einen Mitarbeiterfonds und nach unbestätigten Angaben weitere etwa 28 Prozent der Salzgitter-Anteile.

Kreise der Verhandlungspartner hatten am Donnerstag erklärt, die Gespräche liefen darauf hinaus, daß das Land und die NordLB für ihre Salzgitter-Anteile etwa 30 Prozent Arbed-Anteile bekämen. Ziel einer Zusammenarbeit sei, Synergien zu nutzen, wobei dies auch darin bestehen könne, sich gegenseitig keine Konkurrenz bei den Preisen mehr zu machen.

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