Freitag, 14. Dezember 2018

Morgan Stanley Analysten erneut am Pranger

Der Streit um eine angeblich interessengeleitete Analyse von Morgan Stanley erregt auch die deutsche Analystenzunft. Sollen jetzt Gerichte über die Bewertungen von Unternehmen mit entscheiden? Der Luxusgüterkonzern LVMH jedenfalls verklagt die Investmentbank auf 100 Millionen Euro Schadenersatz.

Paris /Frankfurt/London - Die US-Investmentbank Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen wird sich gegen die LVMH-Klage wegen einer angeblichen Interessenverletzung bei einer Analyse energisch wehren. Dies kündigte die Bank am späten Dienstag Abend in London an. "Morgan Stanley weist die Vorwürfe von LVMH kategorisch zurück und betont die Unabhängigkeit ihrer Analysten", sagte ein Sprecher.

Der weltgrößte Luxusgüterkonzern LVMH Börsen-Chart zeigen hatte zuvor erklärt, die Morgan Stanley auf 100 Millionen Euro Schadensersatz wegen einer negativen Analyse zu verklagen. In seiner Beschwerde führt das Unternehmen an, die Einschätzung von Morgan Stanley über LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton) sei die durch die engen Geschäftsbeziehungen zwischen der Bank und Gucci negativ beeinflusst worden.

Morgan Stanley zählt zu den Hausbanken von Gucci und hat die Italiener bei ihrer Abwehr gegen die Übernahmeversuche durch LVMH beraten. In seiner Beschwerde führt LVMH an, die Einschätzung von Morgan Stanley über LVMH sei die durch die engen Geschäftsbeziehungen zwischen der Bank und Gucci negativ beeinflusst worden.

Analystenverband warnt vor Folgen für die Anleger

Der Berufsverband der deutschen Aktienanalysten, DVFA, warnte in einer ersten Reaktion nach Bekanntwerden der Pläne vor den Folgen einer möglichen Verurteilung Morgan Stanleys. "Wenn diese Klage jetzt Erfolg hat, wird kein Analyst mehr unabhängige Empfehlungen abgeben. Der Anleger, vor allem der Kleinanleger, wird dann völlig allein gelassen", sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), Fritz H. Rau.

Deutsches Aktieninstitut sieht auch Vorteile

Ein möglicher Erfolg der Schadenersatzklage kann nach Ansicht des Deutschen Aktieninstituts (DAI) langfristig aber auch zu einer Verbesserung der Transparenz von Aktienanalysen führen. "Es kommt darauf an, was die Gerichte daraus machen", sagte DAI-Direktor Franz-Josef Leven. Nach den Vorstellungen des DAI sollte in Analysen stets auf Geschäftsverbindungen der Bank zum bewerteten Unternehmen hingewiesen werden. "Dann kann jeder Anlegers sich sein eigenes Bild machen und die Analyse entsprechend bewerten", sagte Leven.

"Für Fehler sollte Morgan Stanley gerade stehen"

Ein Rückschritt wäre es nach Ansicht des DAI, wenn das Gericht zu Fragen der Bewertung durch die Bank-Analysten Stellung nehmen würde und diese verwerfen sollte. "Das wäre dann fast wieder so etwas wie eine Rückkehr zur Planwirtschaft", sagte Leven. "Sollten die Analysten allerdings handwerklich etwas falsch gemacht haben, also zum Beispiel unterschiedliche Berechnungsmethoden für einzelne Kennzahlen benutzt haben, dann müsste Morgan Stanley wohl dafür gerade stehen."

LVMH und Gucci hatten sich in der Vergangenheit eine wahre Übernahmeschlacht geliefert und dabei zahlreiche Gerichte beschäftigt. Im vergangenen Jahr hatte LVMH den Plan aufgegeben und seine Gucci-Anteile an den konkurrierenden französischen Konzern Pinault Printemps Redoute (PPR) verkauft. Zum LVMH-Konzern des Milliardärs Bernard Arnault gehören unter anderem die Designer-Marken Louis Vuitton, Christian Dior und Kenzo, die Champagner-Sorte Moët et Chandon und die Hennessy-Cognacs.

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