Dienstag, 20. Februar 2018

Die Bulthaupt-Kolumne In der Krise auf Neuschnee achten

Es sind nicht die harten Fakten, welche die Börsen auf Talfahrt schickten, sondern die Bilder zurückliegender Crashs. Diese Bilder prägen die Vermutungen eines Investors über das Verhalten der anderen Investoren. Der Aktienmarkt 2002 zeigt: 1929 lebt.

Am 22. Oktober 1929 titelte die New York Times: "Irving Fisher hält Aktienkurse für niedrig." Zwei Tage später kam es zum Crash. Innerhalb von drei Wochen fielen die Kurse um 50 Prozent ...

  Frank Bulthaupt , Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Abgesehen davon, dass neue Untersuchungen die Analyse des damals berühmtesten amerikanischen Ökonomen bestätigen: Das Bild "Crash 1929" war in diesem Jahr wieder allgegenwärtig. Vergleiche wurden angestellt. Es ist alles schon mal da gewesen.

Entsprechend zu Kurt Tucholsky: "Es gibt keinen Neuschnee. Wenn Du aufwärts gehst und dich hochaufatmend umsiehst, ... dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen ... Und immer sind da Spuren, und immer ist einer dagewesen .... Und es gibt keinen Neuschnee."

Es gibt keinen Neuschnee? Ist die Börsenentwicklung nur eine Kopie ihrer eigenen Vergangenheit? In den USA hatte der Aktienmarkt von Mitte 1921 bis Herbst 1929 eine nahezu permanente Aufwärtsbewegung gezeigt. Nach einem enormem Wirtschaftswachstum von 10 Prozent beziehungsweise 5 Prozent in den Jahren 1927 und 1928 kam es 1929 zur Abkühlung (minus 0,9 Prozent).

Hinzu kamen unter anderem eine Labilität des Bankwesens aufgrund leichtfertiger Kreditvergabe, die auf Dauer ungelöste Finanzierungsfrage der Leistungsbilanzdefizite einiger europäischer (!) Länder, und schließlich eine Zunahme dubioser Managementmethoden. Aber unabhängig von den Gründen: Das Bild vom Crash 1929 wirkte über Generationen weiter.

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