Donnerstag, 22. Februar 2018

Insiderhandel "Mit reinem Gewissen gehandelt"

Der frühere Börsenredakteur Sascha Opel wurde vom Stuttgarter Landgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Stuttgart - Premiere im bundesdeutschen Anlagerecht: Erstmals wurde ein ehemaliger Börsenjournalist wegen Insidergeschäften zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Sascha Opel
Das Urteil erging gegen den früheren Vize-Chef des Anlegermagazins "Der Aktionär" Sascha Alfred Opel, der Mitte April gemeinsam mit einem Finanzdienstleister von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insiderhandel angeklagt worden war.

Am Freitag-Morgen verkündete Richter Joachim Härle das Urteil. Der Vorsitzende der 6. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts verurteilte Opel und seinen Mitangeklagten zu jeweils einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Die Haftstrafe wurde auf Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der erzielte Gewinn abgegeben werden. Im Falle Opels sind dies nach seinen Angaben gegenüber manager-magazin.de rund 23.000 Euro.

Opel erwägt Revision

Das Gericht sah es nach mehreren Verhandlungstagen und der Befragung zahlreicher Zeugen als erwiesen an, dass der 29-jährige Opel für sich und andere Investoren Aktien kaufte und anschließend mit Gewinn veräußerte, nachdem er die Kurse der Wertpapiere durch Empfehlungen an Fonds in die Höhe getrieben hatte.

Prozessbeobachter halten eine Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) für wahrscheinlich. Gegenüber manager-magazin.de betonte Opel nach der Urteilsverkündung, er habe bei seinen Transaktionen mit reinem Gewissen gehandelt und berate derzeit mit seinem Anwalt Hans-Peter Mösbauer das weitere Vorgehen. Nach seiner Ansicht ist das Urteil nicht angemessen, da nicht gegen geltende Gesetze verstossen worden sei.

Der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer sieht das offenbar anders. Hinter dem Vorgehen Opels und des mitangeklagten Finanzvermittlers Daniel Kaufmann (27) sei "ganz klar ein System zu erkennen", betonte Richter Härle in der Urteilsbegründung.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielte die Tatsache, dass Opel als stellvertretender Chefredakteur des Magazins "Der Aktionär" ein bekannter Ratgeber für Kleinanleger und erfolgreicher Berater von Aktienfonds war. Ähnliches galt für Opels damaligen Arbeitgeber Bernd Förtsch, der als Verleger und Chefredakteur des Blattes auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase am Neuen Markt sogar den Status eines Gurus genoss.

Insofern, so die Argumentation des Richters, hätten die Empfehlungen des gelernten Bankkaufmanns Opel sehr wohl die im Gesetz beschriebene erhebliche Kursbeeinflussung verursachen können.

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