Mittwoch, 17. Oktober 2018

Phenomedia Erste Geständnisse

Die Ex-Vorstände geben zu, Forderungen von rund zehn Millionen Euro vorgetäuscht zu haben.

Geständig: CFO Björn Denhard

Bochum - Vier Wochen nach ihrer fristlosen Entlassung haben die zwei Ex-Vorstände der Phenomedia AG Börsen-Chart zeigen gestanden. Ein für Wirtschaftssachen zuständiger Sprecher der Bochumer Staatsanwaltschaft sagte am Montag, der ehemalige Vorstandschef und der ehemalige Finanzchef des Unternehmens hätten zugegeben, "dass sie Bilanzen fälschten, indem sie nicht existente Forderungen einbuchten".

Es handele sich dabei um eine Summe von rund zehn Millionen Euro. Dies entspräche mehr als einem Drittel des für das Geschäftsjahr 2001 angegebenen Jahresumsatzes von 25,8 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob die beiden Manager versucht haben, sich durch die Bilanzmanipulationen persönlich zu bereichern. Dies werde von Scheer und Denhard allerdings bestritten, sagte der Justizsprecher.

Mit den Fälschungen wurde nach Angaben der Ermittler bereits Mitte 2001 begonnen. Ein Phenomedia-Sprecher wollte sich zunächst nicht zu den Angaben äußern.

Der Vorstand des Nemax-Unternehmens hatte am 27. März mitgeteilt, 2001 sei ein Umsatz von 25,8 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Im April hatte das Unternehmen dann eingestanden, es seien Fehler in den Bilanzen entdeckt worden. In der Pflichtveröffentlichung hieß es: "Es bestehen Anhaltspunkte dafür, dass der Quartalsbericht der Gesellschaft zum 30.09.2001 sowie der Entwurf des Jahresabschlusses zum 31.12.2001 unrichtig sind."

Beide Vorstände waren fristlos gefeuert worden

Als erste Konsequenz hatte der Aufsichtsrat von Phenomedia Vorstandschef Markus Scheer und Finanzvorstand Björn Denhard fristlos entlassen. Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte daraufhin nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung eingeleitet.

Geständig: CEO Markus Scheer
Auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) wurde aktiv und leitete wegen "auffälliger Kursbewegungen" eine Voruntersuchung ein. Wenig später teilte die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG mit, das Unternehmen habe "trotz mehrmaliger intensiver Aufforderungen" offene Nachweise für angeblich ausstehende Forderungen nicht vorgelegt.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) befasst sich mittlerweile ebenfalls mit dem Fall und prüft die Möglichkeit einer Klage.

Sonderprüfung der Bilanzen

Phenomedia hatte zudem eine Sonderprüfung der Bilanzen eingeleitet und nach einem ersten Kassensturz am 22. April mitgeteilt, das Unternehmen sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschuldet". Eine konkretere Aussage sei vorerst nicht möglich, hieß es damals.

Markus Scheer war nicht nur Vorstandschef, sondern auch Großaktionär des Unternehmens. Laut Statistik der Deutschen Börse hatte er vor dem IPO einen Anteil von 5,45 an der Phenomedia AG. Nach aktuellen Angaben ist diese Beteiligung mittlerweile deutlich dezimiert.

Ende letzten Jahres hatte der Vorstandschef zwei "Bestandsminderungen" gemeldet: Am 5. Dezember 2001 trennte er sich von 38.500 Aktien im Wert von 548.625 Euro und begründete dies mit einer "Wertpapierleihe im Rahmen der geplanten Kapitalerhöhung".

Am 19. Dezember 2001 folgte eine Abgabe von 174.286 Anteilen im Wert von 1.864.860 Euro. "Die Übertragung", so der Kommentar des Unternehmens, "erfolgte aus steuerlichen Gründen in die 'Markus Scheer Vermögensverwaltungs GmbH', in der Herr Scheer alleiniger Gesellschafter ist."

Gontard leitete das Emissions-Konsortium

Die Aktie von Phenomedia war am 22. November 1999 mit einem Ausgabepreis von 22,50 Euro am Neuen Markt platziert worden. Das Konsortium bestand aus Delbrück & Co. Privatbankiers, Dresdner Bank AG, net.IPO AG, Westdeutsche Genossenschafts-Zentrale und Gontard & Metallbank, die auch als Konsortialführer auftrat.

Unter dem Stichwort "Bevorzugte Zuteilung" ist auf der offiziellen Informationsseite der Deutschen Börse vermerkt: "100.000 Aktien für Geschäftsfreunde, 250.000 Aktien an die Aktionäre der Gold-Zack AG."


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