Donnerstag, 15. November 2018

Ceyoniq AG Nemax-Fima insolvent, Vorstände in U-Haft

Die im Nemax notierte Ceyoniq AG hat Insolvenzantrag gestellt. Zudem ist das Unternehmen ohne Führung: Die Vorstände wurden festgenommen.

Bielefeld - Die beiden einzigen Vorstandsmitglieder des insolventen Bielefelder Softwareproduzenten Ceyoniq AG Börsen-Chart zeigen sind am Dienstag in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen Jürgen Brintrup und Thomas Wenzke wegen Betrugsverdachts, teilte Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann am Dienstag mit.

 Verhaftet: Thomas Wenzke (l.) und Jürgen Brintrup
Verhaftet: Thomas Wenzke (l.) und Jürgen Brintrup
Gegen Brintrup und Wenzke werde wegen Betrugsverdachts ermittelt, sagte Pollmann der Nachrichtenagentur Reuters. "Die geschädigte Bank hat Anzeige erstattet. Wir haben Haftbefehl erlassen", fügte er hinzu.

Den beiden Vorständen werde zur Last gelegt, Lizenzverträge manipuliert zu haben. Dabei gehe es um ein Volumen von vier Millionen Euro. "Wenzke räumt Manipulationen in der genannten Höhe ein. Brintrup bestreitet, davon gewusst zu haben", sagte Pollmann.

Verwaltungsgebäude für 14 Millionen Euro

Die Ceyoniq AG habe Forderungen für Lizenzverträge gegenüber Kunden an eine Bank verkauft. Diese seien aber wohl manipuliert gewesen, "um über ihre tatsächliche Höhe und Existenz zu täuschen", sagte Pollmann weiter. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden fortgesetzt. Bei Ceyoniq war bislang niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Vergangenen Freitag hatte der am Neuen Markt gelistete Anbieter von Archivierungssoftware beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Ein Firmensprecher begründete den Schritt mit Verlusten in Höhe von 90 Millionen Euro. Erst im August 2001 hatte die Ceyoniq AG ihr 14 Millionen Euro teures neues Verwaltungsgebäude in Bielefeld bezogen.

Die Aktie hatte ihren seit Jahresbeginn anhaltenden Kursrutsch daraufhin fortgesetzt. Am Dienstag verlor sie erneut und lag zeitweise 30 Prozent im Minus bei 0,14 Euro. Seit Januar hat sie damit rund 98 Prozent an Wert verloren.

Ceyoniq war 2001 deutlich in die Verlustzone gerutscht, hatte aber Marktgerüchte zurückgewiesen, wonach die Firma vor einer Pleite stehen könnte. Der Jahresverlust 2001 hatte sich nach Unternehmensangaben auf 90,4 Millionen Euro summiert nach einem Überschuss von 8,7 Millionen Euro im Vorjahr. Ceyoniq begründete den Gewinneinbruch unter anderem mit dem schwachen Marktumfeld, Restrukturierungs- und Forschungskosten.



Ceyoniq-Vorstand Brintrup hatte erst Mitte März gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die liquiden Mittel des Unternehmens lägen mit neun Millionen Euro noch auf dem Niveau vom September 2001. "Das reicht aus", hatte er hinzugefügt.

Brutaler Absturz: Die Ceyoniq-Aktie im Vergleich zum Nemax All Share (rot)
Ungemach droht den Vorständen nun auch vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe). Dieses hat nach Informationen der Bielefelder Tageszeitung "Neue Westfälische" ein Verfahren wegen Insiderhandels gegen beide Topmanager eingeleitet. Dies laufe jedoch unabhängig von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Ob es zu einer weiteren Strafanzeige führen werde, sei noch unklar.

Der inhaftierte Vorstandschef Jürgen Brintrup war für die Bereiche Marketing, Strategie, Vertrieb, Forschung und Entwicklung verantwortlich. Der gelernte Maschinenbauer war zunächst für ein Touristikunternehmen tätig, ehe er 1990 in die Geschäftsleitung der CE Computer Equipment GmbH wechselte. Unter seiner Mitwirkung realisierte das Unternehmen 1998 den Börsengang, an dem auch Brintrups Kollege Thomas Wenzke beteiligt war.

Ceyoniq Börsen-Chart zeigen ist nach eigener Auskunft "einer der weltweit führenden Anbieter für innovatives Content Lifecycle Management (CLM)". Auf der Homepage des Unternehmens ist zu lesen: "Das Unternehmen ist mit Niederlassungen auf internationaler Ebene flächendeckend vertreten und beschäftigt, einschließlich der Tochterunternehmungen weltweit 850 Mitarbeiter. Zu den Tochterunternehmungen gehören Ceyoniq Inc., vormals Treev in den USA, Aconso AG, Group Technologies AG und die Insiders Information Management AG."

Anmerkung der Redaktion: "Die Fa. Ceyoniq Technology GmbH ist lediglich im Firmennamen die Nachfolgerin der Fa. Ceyoniq AG. Die im Beitrag genannten Vorständen stehen in keiner Verbindung zur Fa. Ceyoniq Technology GmbH."

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