Donnerstag, 1. September 2016

Deutsche Börse Wieder Interesse an der LSE

Chef Werner Seifert plant einen zweiten Übernahmeversuch der Londoner Börse.

London/Frankfurt - Die Deutsche Börse AG Börsen-Chart zeigen erwägt einem britischen Zeitungsbericht zufolge knapp zwei Jahre nach dem gescheiterten Fusionsversuch ein Übernahmeangebot für die Londoner Börse(LSE). Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Auch ein LSE-Sprecher in London kommentierte den Bericht nicht.

Der "Sunday Telegraph" berichtete unter Berufung auf Bankenkreise, dass sich die Planungen der Frankfurter Börsengesellschaft noch in einem frühen Stadium befänden. Gleichwohl habe Börsen-Chef Werner Seifert einigen Großaktionären seines Hauses von den Plänen berichtet, an denen derzeit die US-Investmentbank Goldman Sachs arbeite.

Angebot soll im Sommer vorliegen

Nach Auskunft der Bankenkreise könnte Seifert der LSE-Chefin Clara Furse schon bis Sommer ein Angebot unterbreiten. Dabei bevorzuge die Deutsche Börse eine freundliche Übernahme, hieß es.

"Wir geben zu Spekulationen keine Stellungnahme ab", sagte ein Frankfurter Börsensprecher auf Reuters-Anfrage. In London sagte ein LSE-Sprecher: "Wir werden nicht über Spekulationen sprechen, und von diesen gibt es derzeit viele." Sein Haus sitze jedoch nicht auf den Händen, wenn es darum gehe, das eigene Wachstum voranzutreiben, fügte er hinzu.

Im Sommer 2000 war eine bereits verabredete Fusion von Deutscher Börse und LSE zum Börsenbetreiber iX gescheitert. Vor allem am Finanzplatz London hatte es große Widerstände gegen diese Verschmelzung gegeben. Aber auch in Frankfurt war das Vorhaben kritisiert worden. Angesichts einer befürchteten Dominanz Londons bei diesem Projekt sahen Fusionsgegner die herausgehobene Stellung der Bankenstadt Frankfurt in der europäischen Finanzbranche gefährdet.

Sowohl Seifert als auch Furse hatten sich zu Beginn dieses Jahres jedoch zu möglichen Zusammenschlüssen mit anderen Börsenbetreibern weiterhin positiv geäußert. Der Frankfurter Börsenchef hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf ein Zusammenrücken der Handelsplätze in Europa gedrängt.

Der Zwang zu Fusionen wächst

Nach Ansicht von Seifert und vieler Branchenexperten ist die europäische Börsenlandschaft noch immer zu zerklüftet und damit für Marktteilnehmer oft ineffizient und kostspielig.

Nach dem geglückten Zusammenschluss der Börsenplätze Paris, Brüssel und Amsterdam zum Börsenbetreiber Euronext gelten in Branchenkreisen schon seit längerem die Börsen in Madrid und Mailand als nächste Kandidaten für mögliche Partner.

Auch die Kombination Frankfurt/London war trotz des Scheiterns von iX weiterhin nicht ausgeschlossen worden. Seifert selbst hatte das Projekt stets als sehr sinnvoll bezeichnet und, zu gegebener Zeit, einen erneuten Annäherungsversuch an die LSE als durchaus möglich bezeichnet.

Unterdessen kann die Deutsche Börse auf Ebene der Abwicklungsgesellschaften mit der angekündigten vollständigen Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream voraussichtlich einen wichtigen Erfolg verbuchen. Mit der Annahme der inzwischen vorgelegten Kaufofferte an die Clearstream-Anteilseigner für die restlichen 50 Prozent der luxemburgischen Gesellschaft wird in Finanzkreisen fest gerechnet.

Das Angebot beläuft sich nach Börsen-Angaben auf insgesamt 1,74 Milliarden Euro in bar oder Aktien und ist bis Mitte April befristet.

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