18.03.2002
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Cargolifter
Aktie hebt ab

Trotz der Schwierigkeiten beflügelt der Verkauf des ersten Schwerlastballons den Kurs.

Frankfurt am Main - Die Aktie des Luftschiffbauers Cargolifter Chart zeigen hat am Montag zeitweise um mehr als zwanzig Prozent zugelegt: Die Nachricht vom Verkauf des ersten Schwerlastballons nach Nordamerika hat die Aktie beflügelt. Bis zum Handelsschluss rettete das Papier noch ein Plus von 9,1 Prozent auf 5,03 Euro.

"Es sind die ersten wirklichen Einnahmen des Unternehmens", sagte ein Analyst in Düsseldorf. "Da denken einige, wenn es im Kleinen funktioniert, kann es auch im Großen klappen." Die Idee sei reizvoll, aber es sei nicht endgültig geklärt, ob das Prinzip des Schwertransport in der Luft klappe und die finanziellen Mittel bis zum Schluss reichten.

Cargolifters Experimental-Luftschiff "Joey" Das Unternehmen bleibe ein "Sorgenkandidat wegen der Liquiditätsprobleme", sagte ein weiterer Analyst. Er hoffe, dass sich diese im Lauf des Jahres entschärften. Trotz schlechter Nachrichten wie der Verzögerungen und der höheren Baukosten sei der erste Verkauf ein Hoffnungsschimmer für die Aktie. Einige Investoren glaubten nun, das Unternehmen habe noch eine Chance.

Testflug verschoben

Cargolifter kann wegen seiner Finanzprobleme sein wichtigstes Projekt erst später abheben lassen. Der erste Testflug des Riesen-Luftschiffs CL 160, das in Zukunft Schwerstlasten wie Brücken oder Triebwerke transportieren soll, wurde an diesem Wochenende um ein weiteres Jahr verschoben und soll nun erst im Jahr 2005 erfolgen. Einige Monate später ist dann der Start für die Serienfertigung geplant.

Auf der Hauptversammlung des börsennotierten Unternehmens gab Vorstandschef Carl von Gablenz zugleich bekannt, dass das Vorhaben mit voraussichtlich 720 Millionen Euro erheblich teurer wird. Die Aktionäre billigten ein Finanzpaket, das Dieses Jahr rund 210 Millionen Euro in die Kassen bringen soll. Dazu gehören eine Kapitalerhöhung sowie die Ausgabe von weiteren Wandelanleihen.

Cargolifter steckt bereits seit längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten. Die Bankguthaben reichen nach Angaben des Vorstandschefs nur noch bis Mitte April. Deshalb fährt der 1996 gegründete Luftschiffbauer bereits einen Sparkurs. "Wir sind etwa ein Jahr im Verzug", sagte Gablenz. Die Steigerungen im Kostenplan bezifferte er auf 22 Prozent. Die Unternehmensberatung Roland Berger geht in einer Studie sogar von Kosten bis zu 880 Millionen Euro aus. Bisher flossen in die Entwicklung des mit Helium gefüllten "Lastenhebers" CL 160, der später einmal Güter von bis zu 160 Tonnen Gewicht befördern soll, schon mehr als 340 Millionen Euro.

Schwarze Zahlen "ungefähr 2007 oder 2008"

Trotz der neuen Schwierigkeiten zeigte sich Gablenz zuversichtlich. "Das Projekt ist technisch machbar. Und wir sind so weit, dass wir es durchziehen werden." Zur Unterstützung verwies er auf die Berger-Studie, die Cargolifter ein hohes Marktpotenzial bescheinige. Schwarze Zahlen will Cargolifter "ungefähr 2007 oder 2008" schreiben, wie Finanzvorstand Karl Bangert erläuterte.

Das erste selbst verdiente Geld soll in einigen Monaten in die Kassen kommen: Auf der Hauptversammlung gab Gablenz den Verkauf eines ersten Transportballons zum Preis von 9,7 Millionen US-Dollar bekannt. Das kanadische Unternehmen Heavy Lift will mit dem "Aircrane" bereits in diesem Winter im Norden Kanadas Bohr- und Förderanlagen durch unwegsames Gelände fliegen. Zudem wurde eine Kaufoption über weitere 25 Ballone vereinbart.

Steigt Boeing ein?

Die kommende Monate will Cargolifter mit einer weiteren Kapitalerhöhung sowie der Ausgabe von weiteren Wandelanleihen überbrücken, was von den Aktionären fast einstimmig gebilligt wurde. Außerdem hofft das Unternehmen auf die Unterstützung der öffentlichen Hand. Im kommenden Jahr rechnet Gablenz dann fest mit einem Bundesdarlehen in Höhe von 300 Millionen Euro. Dazu hätten bereits alle Parteien ihre Unterstützung signalisiert.

Zu Spekulationen über den baldigen Einstieg eines "strategischen Partners" wollte der Vorstandschef keine Stellung nehmen. Nach Presseberichten laufen bereits seit mehreren Monaten Gespräche mit dem US-Luftfahrtkonzern Boeing. Auf der Hauptversammlung äußerten Aktionärsvertreter Zweifel am Finanzierungsplan. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte, dass die Finanzierung immer noch nicht gesichert sei.

Das bisherige Aufsichtsratsmitglied Bernd Kröplin wurde auf der Hauptversammlung zum neuen Technik-Vorstand gewählt, so dass der Vorstand jetzt drei Mitglieder hat. Zudem genehmigten die Aktionäre die Erweiterung des Aufsichtsrats von drei auf jetzt sechs Mitglieder.

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