Montag, 19. November 2018

Opel 100 Jahre Autobauer

Dieses Jahr wird gefeiert: Die Firma hat 1899 ihr erstes Auto gebaut. Erster Jubiläumsgast in Rüsselsheim war Kanzler Gerhard Schröder.

Rüsselsheim - Wenn es nach dem Firmengründer Adam Opel gegangen wäre, hätte der Rüsselsheimer Technikkonzern in den nächsten Wochen nicht auf 100 Jahre Automobilbau zurückblicken können. Der Industriepionier, der seinem Unternehmen im vergangenen Jahrhundert mit Nähmaschinen und Fahrrädern internationales Ansehen verschaffte, hatte mit Autos nichts im Sinn. Er hielt die ersten Motorwagen für "Stinkkutschen, aus denen nie mehr wird als ein Spielzeug für Millionäre".

Seine technik- und sportbegeisterten Kinder sahen das ganz anders: Vier Jahre nach dem Tod des Vaters bauten die Söhne Carl und Wilhelm im Jahr 1899 den ersten Opel-Patent-Motorwagen in der aufstrebenden Industriestadt am Untermain. Mit den Konstruktionsplänen des Dessauer Hofwagenbauers Friedrich Lutzmann wurde der Grundstein für die zweitälteste der heute noch bestehenden Autofirmen in Deutschland gelegt. Zum Jubiläum steht weltweit die Zahl von 50 Millionen Autos auf Basis von Opel-Modellen in den Produktionsbilanzen.

Opel Manta A von 1970
Der Rückblick auf 100 Jahre Automobilbau in dem 137jährigen Unternehmen zeigt eine Geschichte, die einer ständigen Berg- und Talfahrt gleicht. In deren Verlauf mußte Opel immer wieder existenzbedrohende Probleme überwinden. Kriege, Wirtschaftskrisen und eine Brandkatastrophe warfen das Unternehmen mehrmals fast auf den Nullpunkt zurück.

Schon die Firmengründung stand für Adam Opel (1837 bis 1895) unter keinem guten Stern. Der Vater ließ ihn nicht in seine Schlosserwerkstatt, und so mußte er seine erste Nähmaschine im Kuhstall eines wohlgesonnenen Onkels bauen. Die um ihre Arbeit bangenden Schneider aus dem Nachbarort zwangen ihn mit einem Steinhagel zur Umkehr, als er seine erste Maschine per Fähre über den Main bringen wollte.

Allen Widrigkeiten zum Trotz und dank des Gemeinschaftssinns seiner fünf rad- und motorsportbegeisterten Söhne nahm das Werk mit Verkaufsrennern wie dem «Doktorwagen» und dem «Laubfrosch» sowie mit vielen Rennsporterfolgen einen rasanten Aufschwung. Nach Pionierarbeit in der Großserienproduktion mit Fließbandtechnik wurde Opel 1928 mit Abstand größter deutscher Autohersteller. Nur ein Jahr später verkaufte die vom hessischen Großherzog Ernst Ludwig geförderte und in den Adelsstand erhobene Familie Opel die Firma für rund 120 Millionen Reichsmark an den amerikanischen Autokonzern General Motors.

Als die amerikanischen Besitzer in den ersten Kriegsjahren die Munitionsfertigung für die deutsche Wehrmacht verweigerten, mußte der Automobilbau eingestellt werden. Nach Kriegsende beanspruchten die Russen als Wiedergutmachung alle Pläne und Fertigungseinrichtungen des Erfolgsmodells Kadett, das 1947 als Moskwitsch 400 in Moskau vom Band lief. Der Aufschwung nach dem Krieg mit preisgünstigen, biederen aber schier unverwüstlichen Modellen fand seinen Höhepunkt in den goldenen Firmenjahren 1976 bis 1979. Damals erreichte die Beschäftigung den bisherigen Höchststand von 67.360 Mitarbeitern.

Genauso schnell ging es aber in den 80er Jahren auch wieder bergab. In wenigen Jahren türmten sich Verluste von 1,4 Milliarden Mark auf, Marktanteile und Personalzahlen stürzten ab, bis die Wiedervereinigung für einen erneuten Boom sorgte. Der allerdings ging an den Beschäftigten weitgehend vorbei, denn wie bei der Fließbandarbeit und der Katalysator-Einführung war Opel auch bei der personalsparenden Gruppenarbeit und der weltweiten Suche nach billigen Zulieferern ein Vorreiter.

Diese Strategie mündete im Bau von höchst effizienten Produktionswerken wie dem in Eisenach, hatte aber auch Qualitätsprobleme zur Folge, die den Ruf der Opel-Autos als zuverlässig zumindest im Heimatland gewaltig ankratzten. In anderen Ländern konnten sich die Opel-Modelle besser behaupten. Seit das internationale Technikzentrum in Rüsselsheim für die Entwicklung aller General-Motors-Personenwagen außerhalb von Nordamerika zuständig ist, rollen in allen fünf Kontinenten die Opel- Konstruktionen - wenn auch unter verschiedenen Markennamen - aus den Werkshallen.

Wilfried Willutzki

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