Dienstag, 27. September 2016

Commerzbank Neue Sparsamkeit

Die Gewinne brechen ein. Jetzt steht den Aktionären eine Dividendenkürzung bevor. Die Spekulationen um eine Übernahme der Bank reißen nicht ab.

Frankfurt - Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen hat im vierten Quartal 2001 einen Konzernverlust von 189 Millionen Euro eingefahren. Dies geht aus dem vorläufigen Jahresabschluss hervor, den die Bank am Montag in Frankfurt vorlegte. Auch im Gesamtjahr 2001 verzeichnete das Kreditinstitut einen Gewinneinbruch, rechnet aber mit einer Verbesserung im laufenden Jahr 2002.

Im Jahr 2001 erreichte die Frankfurter Bank nach vorläufigen Zahlen einen Überschuss von 92 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte der Überschuss noch bei 1,342 Milliarden Euro gelegen. Gleichzeitig sank das Ergebnis vor Steuern von 2,234 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 37 Millionen Euro im Jahr 2001. Das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag im vergangenen Jahr bei 320 Millionen Euro nach 2,234 Milliarden Euro in 2000.

Dividende sinkt um 60 Prozent

Vorstandschef Klaus-Peter Müller wolle dem Aufsichtsrat für 2001 eine Dividende von 40 Cent je Aktie vorschlagen, hieß es. Der Vorstand habe den Dividendenvorschlag als "Ausdruck seiner Zuversicht für das Jahr 2002" gewertet, teilte die Bank weiter mit. Im Vorfeld war darüber spekuliert worden, ob Deutschlands Großbank Nummer Vier überhaupt eine Dividende ausschütten werde. Vor einem Jahr lag die Dividende bei einem Euro.

Als Folge der Kostenersparnisse sei sich die Zuwachsrate der Verwaltungskosten von 18 Prozent im ersten Halbjahr auf sieben Prozent im Gesamtjahr geschrumpft. Insgesamt lagen die Verwaltungskosten in 2001 bei 5,852 Milliarden Euro. Der Sparkurs werde auch in diesem Jahr Früchte tragen, hieß es. Daher rechnet die Bank in 2002 mit einer spürbaren Verbesserung der Ergebnislage.

Hohe Umstrukturierungskosten

Die Umstrukturierungskosten in Höhe von 283 Millionen Euro bestehen nach Bankangaben zum größten Teil aus Rückstellungen für den geplanten Arbeitsplatzabbau. Dank der für dieses Jahr erwarteten Einsparungen erhoffe sich die Bank eine Verbesserung in allen Bereichen.

Von der Argentinienkrise und der Enron-Pleite sei die Bank so gut wie unberührt, sagte ein Sprecher des Instituts. Die Risikovorsorge in Höhe von 935 Millionen Euro ergebe sich aus einer Vielzahl von Wertberichtigungen im Kreditgeschäft. "Viele Firmenkunden haben in der Konjunkturflaute massive Probleme. Das belastet uns mehr als spektakuläre Pleiten", sagte Pietsch.

Neue Bilanzierungsmethoden

Die Commerzbank profitierte 2001 unter anderem von einem durch geänderte Rechnungslegung verbesserten Handelsergebnis, einer Steuergutschrift und einem deutlich gesteigerten Ergebnis aus Finanzanlagen. Analysten zeigten sich allerdings verunsichert, in welchem Umfang das Ergebnis tatsächlich auf diesen Sondereffekten beruht. "Es ist ein wenig unklar, inwieweit das Handelsergebnis auf die geänderte Rechnungslegung zurückzuführen ist", sagte Derek Chambers von HSBC Securities.

Die Commerzbank hatte mitgeteilt, dass ein Teil des im Gesamtjahr um 20 Prozent auf 1,146 Milliarden Euro gesteigerten Handelsergebnisses auf die erstmalige Anwendung der so genannten Rechnungslegungsvorschrift IAS 39 zurückzuführen sei.

Thomas Rothäusler von Sal Oppenheim schätzt den positiven Effekt dieser Bilanzierungsmethode aber als gering ein. Vor allem im vierten Quartal habe die Bank auch ohne diesen Faktor ein ausgesprochen gutes Handelsergebnis erzielt. Ein Commerzbank-Sprecher sagte auf Anfrage, der Anstieg resultiere unter anderem aus dem erfolgreichen Geschäft mit Dollar-Anleihen in New York.

Übernahme-Spekulationen reißen nicht ab

Die Commerzbank hat bereits seit geraumer Zeit mit Ertragsproblemen zu kämpfen und gilt unter Analysten als Übernahmekandidat. Zuletzt waren entsprechende Spekulationen wieder aufgeflammt, nachdem der Rückversicherer Münchener Rück Börsen-Chart zeigen vor zwei Wochen seinen Anteil an der Bank auf 10,4 Prozent aufgestockt hatte und damit zum größten Anteilseigner vor dem Versicherer Generali und der Investorengruppe Cobra geworden war.

Es wird darüber spekuliert, dass die Münchener Rück eine Fusion von Commerzbank und HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen (HVB) forcieren könnte. Der Rückversicherer ist an der HVB mit 25,7 Prozent beteiligt. Die Münchener Rück hat bislang aber stets betont, dass es sich bei dem Engagement bei der Commerzbank lediglich um ein Finanzinvestment handele. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte ebenfalls gesagt, aus der Anteilsaufstockung lasse sich keine Fusion von Commerzbank und HVB ableiten.

Aktie leicht unter Druck

Die Aktie der Commerzbank, die in den vergangenen vier Wochen um rund acht Prozent zugelegt hatte, gab nach Bekanntgabe der Zahlen nach und schloss mit 1,6 Prozent im Minus bei 18,97 Euro.


Bank der Zukunft: Branche in der Zwickmühle

Die Krise der deutschen Großbanken

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH