Samstag, 18. November 2017

Ericsson Minus-Zahlen im Schnellverfahren

Ein Insiderbericht zwang Vorstandschef Kurt Hellström, seine tiefroten Zahlen früher als geplant zu veröffentlichen. Angesichts der katastrophalen Geschäftsdaten will Aufsichtsratschef Ramqvist zurücktreten. Stellen werden gestrichen.

CEO Kurt Hellström
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CEO Kurt Hellström

Stockholm - Der schwedische Telekommunikationskonzern Ericsson fährt mit dem weltweiten Handy-Verkauf immer höhere Verluste ein und sagt für die Gesamtbranche ein Minus vorher.

Wie der viertgrößte Mobiltelefonhersteller der Welt am Freitag in Stockholm mitteilte, brachte das dritte Quartal einen Verlust von 5,8 Milliarden Kronen (1,2 Milliarden Mark/610 Millionen Euro). Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Ericsson 4,5 Milliarden Kronen Gewinn erzielt. Seit Beginn dieses Jahres betragen die Verluste 16 Milliarden Kronen. Sie fielen deutlich höher aus als von Analysten erwartet.

Analysten stufen Aktie ab

Für das kommende Jahr sagt Ericsson ein Minus für die Telekommunikationsbranche von bis zu zehn Prozent voraus. Bisher hatte das Unternehmen noch ein schwaches Plus erwartet. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) stufte die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" ab. Die WestLB stufte Ericsson von "Outperformer" auf "Underperformer" ab.

Lars Ramqvist kündigte seinen Rücktritt als Vorsitzender des Ericsson-Aufsichtsrates für das kommende Frühjahr an. Nachfolger wird der derzeitige Vorstandschef des Haushalswarenkonzerns Electrolux, Michael Treschow.

Insider-Tipp ein "sehr ernster Vorgang"

Ericsson, der viertgrößte Handy-Hersteller der Welt nach Nokia, Motorola und Siemens, wurde am frühen Morgen zur vorzeitigen Veröffentlichung der Zwischenbilanz gezwungen. Anlass war der Bericht einer britischen Agentur mit aus Insiderkreisen vorab verbreiteten Zahlen. Eine Ericsson-Sprecherin erklärte, dies sei "ein sehr ernster Vorgang".

Mit einem Umsatz von 54,6 Milliarden Kronen hatte das Unternehmen die Analystenerwartungen von 59,15 Milliarden ebenfalls nicht erreicht. Für das vierte Quartal erwartet Ericsson nach eigenen Angaben einen Umsatz von 55 Milliarden Kronen und einen etwas geringeren Vorsteuer-Verlust als im dritten Quartal.

Um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können, hatte das Unternehmen bereit zuvor ein 38 Milliarden Kronen schweres Sparprogramm angekündigt, das unter anderem den Abbau von bis zu 22.000 Stellen vorsieht. Das Maßnahmenpaket beginne früher als ursprünglich geplant und solle noch 2001 Einsparungen in Höhe von sieben Milliarden Kronen bringen, teilte Ericsson mit. Zuvor hatte das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 5,5 Milliarden Kronen einsparen wollen.

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