Montag, 20. November 2017

Nortel Totaler Einbruch

Der Konzern entlässt die Hälfte seiner Mitarbeiter und macht Verluste in Milliardenhöhe.

Brampton - Der angeschlagene kanadische Telekomausrüster Nortel Networks will weitere 20.000 Stellen streichen und rechnet für das dritte Quartal 2001 mit einem Riesenverlust von 3,6 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden Mark/3,9 Milliarden Euro). Nortel reduziert somit den Personalbestand insgesamt um mehr als die Hälfte.

Die Gesellschaft hat außerdem ihren Finanzvorstand Frank Dunn zum neuen Unternehmenschef ernannt. Dies hat Nortel am Dienstag nach Börsenschluss mitgeteilt.

91 Prozent Wertverlust

Nortel will zusätzlich etwa 10.000 Mitarbeiter nach Hause schicken und weitere 10.000 Stellen durch den Verkauf "nichtstrategischer" Sparten einsparen. Hierdurch reduziert das Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeiter auf rund 45.000 Personen. Das Gesellschaft hatte zum Jahresbeginn noch 94.500 Beschäftigte.

Die Nortel-Aktien waren im regulären Handel um 18 Cents auf 5,29 Dollar gefallen und gaben nachbörslich weiter auf 5,06 Dollar nach. Die Aktien des angeschlagenen Unternehmens haben in den letzten zwölf Monaten mehr als 91 Prozent an Wert verloren.

Schlechter als von Analysten erwartet

Klammert man Sonderposten aus, dann fällt im dritten Quartal ein Verlust von 910 Millionen Dollar an. Der Umsatz wird in dem Dreimonatsabschnitt auf 3,5 Milliarden Dollar schrumpfen, während die Analysten mit knapp vier Milliarden Dollar gerechnet hatten. Der Quartalsumsatz hatte in der Vorjahresvergleichszeit noch 7,3 Milliarden Dollar betragen.

Nortel will seine Kostenstruktur so einrichten, dass das Unternehmen während des ersten Quartals 2002 die Gewinnschwelle mit einem Umsatz von deutlich unter vier Milliarden Dollar erreichen kann, statt einem bisher angepeilten Umsatzniveau von fünf Milliarden Dollar.

Führungswechsel früher als geplant

Nortel-Konzernchef John Roth (58) gibt die Führung an Dunn zum 1. November ab und tritt damit ein halbes Jahr früher als geplant zurück. Er wird bis Ende nächsten Jahres als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender bei Nortel bleiben. Dunn arbeitet bereits seit 25 Jahren für Nortel.

Damit hat die Gesellschaft einen Insider als Firmenchef gewählt. Roth hatte Nortel seit 1997 mit einer aggressiven Expansionsstrategie in den Bereichen Faseroptik, Mobilfunk und Datennetze zum größten nordamerikanischen Telekomausrüster gemacht. Der schwere Einbruch im Internet- und Telekombereich und kostspielige Firmenkäufe hatten das kanadische Unternehmen in Bedrängnis gebracht.

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