Montag, 10. Dezember 2018

Regionalbörsen Weg vom Monopolisten

Die Regionalbörsen wollen das Monopol der Deutschen Börse AG knacken und ein eigenes Handelssystem entwickeln. Das erspart ihnen den Kauf von Xetra.

Frankfurt - Sechs Regionalplätze ohne Düsseldorf wollen künftig in Eigenregie ein Betriebssystem auf die Beine stellen und betreiben. Das kündigte Andreas Glienke, Geschäftsführer der Wertpapierbörse Stuttgart, in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" an. Bislang betreibt und besitzt die Deutsche Börse AG in Frankfurt "Boss-Cube" für den bundesweiten Wertpapierhandel und "Böga" für die Geschäftsabwicklung an allen acht Börsen.

Eine von den sechs Börsen in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie werde bereits in einigen Wochen fertig sein. Im Mai falle dann die endgültige Entscheidung über den Bau.

Einem engeren Zusammengehen oder gar Fusionen zwischen den einzelnen rivalisierenden Börsen erteilte Glienke aber eine klare Absage. "Wir bauen gemeinsam das Stadion und legen die Regeln der Liga fest. Wer dann welchen Rang einnimmt, hängt alleine vom spielerischen Können ab."

Börsenkreisen zufolge würde die Herstellung eines eigenen Systems rund 40 Millionen Mark kosten. Die Regionalbörsen erhoffen sich nach Worten von Glienke vom Aufbau einer eigenen Infrastruktur eine größere Unabhängigkeit von Frankfurt, "die als Besitzer und Betreiber von Boss Cube und Böga eine Monopolstellung ausüben".

Im schärfer werdenden Wettbewerb zwischen den deutschen Börsen hat die Deutsche Börse AG den Regionalbörsen vor gut einem Jahr ein Kaufangebot für die Präsenzhandelssysteme und Xetra vorgelegt, daß in der Provinz allerdings auf wenig Gegenliebe gestoßen ist.

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