Donnerstag, 30. März 2017

Metabox Es geht noch dreister

Hinter einem angeblichen Milliardenauftrag verbirgt sich ein Ein-Mann-Unternehmen.

Hildesheim - Die Vorwürfe fehlerhafter Börseninformationen gegen Mitarbeiter des angeschlagenen Multimedia-Unternehmens Metabox verdichten sich. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte am Montag teilweise einen entsprechenden Bericht der "Hildesheimer Zeitung". Danach stand hinter einem angeblichen Milliarden-Großauftrag aus Dänemark lediglich ein Ein-Mann-Unternehmen. Die Ermittlungsergebnisse gingen in die gleiche Richtung, hieß es.

"Projektvolumen von mehr als einer Milliarde Mark"

Mitarbeiter der Metabox AG, unter anderem der damalige Vorstandsvorsitzende Stefan Domeyer, werden verdächtigt, die Börse fehlerhaft informiert zu haben. Die Zeitung hatte berichtet, dass eine der wichtigsten Ad-hoc-Mitteilungen "nicht auf Tatsachen, sondern auf Wunschdenken gegründet sein könnte".

Am 28. Juni 2000 hatte Metabox bekannt gegeben, eine Absichtserklärung mit der dänischen Inter-Nordic über die Lieferung von 1,8 Millionen Settop-Boxen unterzeichnet zu haben. Daraufhin zog der Aktienkurs kräftig an.

Am gleichen Tag lasen die erfreuten Anleger bei vwd: "Der von der Metabox AG, Hildesheim, am Mittwoch ad hoc bekannt gegebenene Letter of Intent über die Lieferung von 1,8 Mio Set-Top-Boxen an ein skandinavisches E-Commerce-Konsortium umfasst ein Projektvolumen von mehr als einer Milliarde Mark. Das hat der Informationsdienst 'Mainvestor' von Metabox-Vorstand Stefan Domeyer erfahren. Der vereinbarte Preis je Box schwanke zwischen 265 und gut 500 Dollar. Der größere Teil der Lieferung werde 2001 umsatzwirksam. Die Margen sollten in ähnlicher Größenordnung wie bei dem vor eingen Monaten gemeldeten ersten Auftrag liegen. Die endgültige Fixierung der Verträge sei bis Ende Juli vorgesehen."

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass auch in Dänemark ermittelt worden sei. Auch angebliche Aufträge aus Israel wurden geprüft. Die Ermittlungen würden noch bis zu zwei Monate andauern. Metabox wollte sich am Montag zunächst nicht äußern. Das Unternehmen befindet sich im vorläufigen Insolvenzverfahren.

"Schätzung des Marktpotenzials"

Die Inter-Nordic sei damals nicht im dänischen Handelsregister eingetragen gewesen und habe auch keine Angestellten gehabt, berichtete die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung". Der Chef des Unternehmens, der Vietnamese Duong Hoang Thao Ngo, wird mit den Worten zitiert: "Ziel des Letters of Intend mit Metabox war es, dass wir die Vermarktungsrechte für Nordeuropa erwerben."

Die Zahl 1,8 Millionen Boxen sei eine Schätzung des Marktpotenzials gewesen. Auch eine von Metabox gemeldete Investorengruppe habe es hinter seiner Firma nicht gegeben.

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