Montag, 10. Dezember 2018

Otelo Mannesmann Arcor kauft Otelo-Festnetz

Nicht Mobilcom, nicht Debitel - Mannesmann kauft die Telefongesellschaft Otelo und stärkt damit die eigene Telekomtochter Arcor. Veba und RWE konzentrieren sich auf das E-Plus-Mobilfunk-Geschäft.

Düsseldorf - Die Festnetzgeschäft der deutschen Telefongesellschaft Otelo mit seinen rund 400.000 Kunden wird wird für 2,25 Milliarden Mark an den Düsseldorfer Wettbewerber Mannesmann Arcor verkauft. Mannesmann Arcor übernimmt das Otelo-Festnetzgeschäft mit rund 2800 Mitarbeitern bereits zum 1. April.

Einer der bisherigen Eigentümer, der Energiekonzern Veba, erklärte, damit werde eine notwendige Bereinigung am Markt eingeleitet. Otelo hat bislang Verluste in Milliardenhöhe erlitten und soll spätestens im Jahr 2002 Gewinne erwirtschaften. Nach Angaben aus Branchenkreisen dürften die Otelo-Verkäufer RWE und Veba mit dem Geld aus dem Verkauf weitere Anteile an der Mobilfunkgesellschaft E-Plus erwerben.


Verlustgeschäft für RWE und Veba

Für RWE und Veba war Otelo bislang ein Verlustgeschäft. Nach dem späten Einstieg der Energiekonzerne ins Telefongeschäft - Otelo kam als letzte große Telefongesellschaft vor einem Jahr auf den Markt - und einem Management-Wechsel im Sommer kam Otelo nie richtig in Schwung.

Der Otelo-Festnetzbereich vermittelte nach Angaben von RWE zuletzt 14 Millionen Gesprächsminuten am Tag. In diesem Jahr sollte der Bereich den Angaben zufolge einen Umsatz von 1,1 Milliarden Mark erzielen, knapp 700 Millionen mehr als 1998. Der Bereich wies 1998 einen Verlust von 2,2 Milliarden Mark aus, der in diesem Jahr rund 30 Prozent geringer ausfallen sollte. Die Gewinnschwelle soll erst im Jahr 2002 erreicht werden.

Mannesmann Arcor hat nach RWE-Angaben mit dem Kauf auch eigentumsähnliche Rechte an den 11.000 Kilometern Glasfaserleitungen der Otelo erworben. Weitere Details will Mannesmann nach Ostern auf einer Pressekonferenz mitteilen.


Neue Pläne mit E-Plus

Nicht betroffen von der Transaktion ist die Mobilfunk-Gesellschaft E-Plus. Dieser Otelo-Bereich hatte Ende Dezember rund zwei Millionen Kunden und soll im Jahr 2000 die Gewinnschwelle erreichen. RWE und Veba werden jetzt vermutlich ihren Anteil von 60,25 Prozent an E-Plus aufstocken und dazu das Geld aus dem Otelo-Verkauf nutzen. Die britische Telefongesellschaft Vodafone hatte im Januar erklärt, sie wolle ihre 17 Prozent an E-Plus verkaufen. Ein Vorkaufsrecht auf diese Anteile hat allerdings die US-Telefongesellschaft BellSouth. Nach Angaben aus den Kreisen beträgt der Gesamtwert von E-Plus rund zehn Milliarden Mark.

Nur mit E-Plus können Veba und RWE früher als erwartet auch im Telekomgeschäft verdienen. Veba werde durch den Verkauf einen Buchgewinn von 700 Millionen Mark erzielen, erklärte das Unternehmen. Darüber hinaus spart sich das Unternehmen allein in diesem Jahr operative Anlaufverluste von gut 300 Millionen Mark. Ein RWE-Sprecher sagte, sein Unternehmen werde rund 450 Millionen Mark Buchgewinn erzielen. Die Höhe der eigentlich geplanten Anlaufverluste bei dem Festnetzbereich von Otelo bezifferte der Sprecher für RWE mit rund 180 Millionen Mark. Diese würden RWE nun nicht entstehen.


Mobilcom stieg aus

Nur wenige Stunden vor der Verkaufsmitteilung hatten Mobilcom AG und Veba/RWE mitgeteilt, daß ihre Gespräche über einen Otelo-Verkauf an Mobilcom beendet worden seien. Dabei hatte Mobilcom erklärt, sie habe die Gespräche abgebrochen, weil Otelo nicht über eigene, sondern nur über gemietete Glasfaserleitungen verfüge.

Mobilcom teilte mit, das Unternehmen sei nicht bereit, mehrere Milliarden Mark für den Kauf und die Sanierung einer Gesellschaft aufzuwenden, um künftig Leitungsmieten zu zahlen, die weit über den Mietleitungskosten liegen, die es heute an die Deutsche Telekom entrichten müsse.

RWE hatte indes mitgeteilt, die Verhandlungen seien beendet worden, weil Mobilcom keine ausreichende Gewähr für eine langfristige Wachstumsentwicklung für Otelo habe bieten können.

Als weiterer heißer Kandidat galt der Marktführer unter den Handy-Providern Debitel. Die Tochter von DaimlerChrysler-Debis und Metro ist gerade an die Börse gegangen. Branchenkreise spekulierten deshalb, daß Debitel an einem Ausbau ihres Geschäfts interessiert sei.

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