Montag, 17. Dezember 2018

3sat-Börse Zufall oder "Frontrunning"?

"Umsatz-Auffälligkeiten" vor der Börsensendung haben die Wertpapieraufsicht auf den Plan gerufen. Die Experten prüfen einen möglichen Insiderhandel.

Tages-Chart von Brain International am 10.8.2001

Hamburg - Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) leitet eine Voruntersuchung ein, um zu klären, ob es im Zusammenhang mit dem "3satBörsenspiel" vom 10. August möglicherweise zu Insiderkäufen kam.

Bei dem Börsenspiel der "3satBörse" wurde am vergangenen Freitag die Aktie der am Neuen Markt notierten Brain International AG (WKN 525 250) in das Depot der Teilnehmerin Christiane Schanzenbach aufgenommen. Zuvor kam es im Freitags-Handel zu einem signifikanten Umsatz- und Kursanstieg bei der Aktie.

Das Papier legte bis zum Handelsende auf Xetra-Basis 16,07 Prozent zu, das Handelsvolumen lag bei 92.102 Euro. Zum Vergleich: Der 30-Tage-Durchschnittsumsatz von Brain liegt bei 22.993 Euro. Insgesamt wechselten im Xetra-Handel am Freitag 31.835 Anteile den Besitzer, am Tag zuvor waren es lediglich 7736 Aktien.

Voruntersuchung durch die Wertpapieraufsicht

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel will nun klären, ob es im Vorfeld der Depot-Aufnahme zu so genanntem Frontrunning kam. BAWe-Sprecherin Sabine Reimer gegenüber manager-magazin.de: "Wir leiten eine erste Voruntersuchung ein, um den Fall zu klären."

Ein interessanter Nebenaspekt: Die Börsenspiel-Teilnehmerin Christiane Schanzenbach ist eine Mitarbeiterin des Redaktions-Teams von Gerd Weger. Weger ist Zuschauern der "3satBörse" bestens bekannt. Er war - laut Eigenauskunft auf seinem Finanzportal "toptrading.de" - "Gewinner des '3satBörsenspiels' 99/00 mit einer Performance von 247 Prozent in 6 Monaten. Das ist mit Abstand das beste dort je erzielte Ergebnis".

Bereits 1999 erste Vorwürfe gegen Weger

Damals war Weger verantwortlicher Redakteur des Börsenbriefs "Finanzen Neuer Markt", ein Ableger des Zeitschrift "Finanzen", die eng mit Kinowelt-Gründer Michael Kölmel verbunden ist. Bevor der Axel Springer Verlag im September 1996 die Mehrheit an dem Objekt übernahm, gehörten Kölmel 25 Prozent, seiner Frau Doris 10,95 Prozent, Gerd Weger hielt 25 Prozent und seine Frau Susanne 9,85 Prozent. Beim Start der Zeitschrift im Februar 1990 zeichnete Weger als Herausgeber verantwortlich.

Eines der Papiere, die Weger gleich zu Beginn des "3satBörsenspiels" in sein Depot aufnahm, war Kinowelt - die Aktie seines Geschäftspartners Michael Kölmel. Auch ins Musterdepot seines Börsenbriefs wurde der Wert aufgenommen. Ein Gebaren, das bei einigen Fachleuten und Anlegern Verwunderung und Missmut auslöste.

Den in diesem Zusammenhang mehrmals geäußerten Vorwurf der "Pusherei" wies Weger allerdings weit von sich. Kinowelt, so seine Begründung, sei kein marktenger Wert, "den können Sie nicht so leicht schieben". Berichterstattern, die das anders sahen, warf er "pseudokritischen Journalismus" vor.


© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH