Sonntag, 20. Januar 2019

T-Aktie Chronik des Niedergangs

Seit dem Börsengang der Telekom am 18. November 1996 haben die Aktionäre des ehemaligen Monopol-Konzerns eine rasante Berg- und Talfahrt erlebt. Durch den Absturz der "Volksaktie" nach dem Rekordhoch von März 2000 wurde ein Vermögen von über 300 Milliarden Euro vernichtet.

16. Mai 1995:

Der ehemalige Sony-Manager Ron Sommer wird zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG Börsen-Chart zeigen ernannt. Die Verschuldung des Konzerns liegt zu diesem Zeitpunkt bei umgerechnet rund 59 Milliarden Euro.

Zuvor war das Unternehmen "Deutsche Bundespost Telekom" lange Zeit von Helmut Ricke geleitet worden, dessen Sohn Kai-Uwe später - im November 2002 - neuer CEO der Telekom wird. Helmut Ricke führte den Konzern von 1990 bis 1994 und hatte maßgeblichen Anteil an der Umwandlung der ehemaligen Behörde in ein formal privatwirtschaftliches Unternehmen.

"Der helle Wahnsinn": T-Aktien-Werber Manfred Krug
Anfang 1996: Die Werbekampagne für den Börsengang der Telekom läuft an. Nach Informationen des SPIEGEL investiert der Ableger der Deutschen Bundespost insgesamt rund 100 Millionen Mark, um die "Volksaktie" auch bei Kleinanlegern populär zu machen. Federführend bei der Kampagne ist die Londoner Beratungsfirma Dewe Rogerson.

Als prominente Werbefigur hat die Telekom den Schauspieler Manfred Krug verpflichtet, der zuvor bereits für Jacobs-Kaffee, Aquavit und Waschmittel geworben hatte. Krugs Botschaft: "Das ist der helle Wahnsinn, was die Telekom alles drauf hat." Ron Sommer sekundiert: "Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein."

18. November 1996: Der Kurs der fünffach überzeichneten Telekom-Aktie schnellt am ersten Handelstag in die Höhe. Der Einführungspreis für das Papier betrug 28,50 Mark (14,57 Euro), der erste amtliche Schlusskurs liegt bei 33,90 Mark.

Rund 500 Millionen Aktien werden platziert, der Verkauf bringt rund 20 Milliarden Mark ein. Schätzungsweise 700 Millionen Mark fallen dabei als Provision für die beteiligten Banken ab. Im IPO-Konsortium waren fast alle großen deutschen Finanzinstitute vertreten. Angenehmer Nebeneffekt: Im Vorfeld des Börsengangs gibt es kaum negative Analysten-Statements zur T-Aktie.

22. Mai 1999: Schwere Schlappe für Ron Sommer: Die Ende April angekündigte Fusion von Deutscher Telekom und Telecom Italia (TI) zum zweitgrößten Telekom-Konzern der Welt ist gescheitert. Das italienische Unternehmen Olivetti hat sich im Wege einer feindlichen Übernahme 51,02 Prozent der Stimmrechte an TI gesichert. Später ist zu hören, dass der PR-Unternehmer Moritz Hunzinger die Telecom Italia im Abwehrkampf gegen die Übernahme beraten haben soll.

25. Juni 1999: Bankhäuser und Kursmakler verursachen durch den Verkauf von 12,93 Millionen T-Aktien einen Kurssturz. Bei Handelsschluss liegt der Kurs bei 39,50 Euro.

Ron Sommer
28. Juni 1999: Die Telekom gibt die zweite Tranche Aktien zu einem Preis von 39,50 Euro heraus. Die Papiere legen am ersten Handelstag zu. An der Frankfurter Börse steigt der Kurs der Aktie auf 40,30 Euro. Die Platzierung bringt eine Einnahme von etwa 10 Milliarden Euro.

Anfang August 1999: Für etwa 10 Milliarden Euro übernimmt die Telekom die Firma One2One, den viertgrößten Mobilfunkbetreiber Großbritanniens. Übernommen werden damit auch Verbindlichkeiten von 200 Millionen Pfund.

6. März 2000: Die Aktie erreicht mit einem Wert von 103,50 Euro ihren bisherigen Höchststand.

Mai 2000: Die Aktie ist deutlich gefallen und liegt nur noch knapp über 60 Euro. Ron Sommer versichert: "Die Telekom-Aktie wird uns in Zukunft noch viel Freude bereiten." Den verunsicherten Anlegern macht er Mut: "Wer jetzt einsteigt, kann sich auf ein phantastisches Potenzial freuen."

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