Samstag, 25. Juni 2016

EM.TV Kapitalvernichtung im Rekordtempo

EM.TV hat das Auf- und Ab an der Börse mit voller Wucht zu spüren bekommen. Die 1989 gegründete Firma ging im Oktober 1997 an die Börse. Es folgte ein steiler Höhenflug der Aktie, die Anfang 2000 bis auf über 120 Euro stieg. Dann begann der Absturz.

Juni 1989:

Thomas Haffa gründet die EM Entertainment München, Merchandising, Film und Fernseh GmbH. Das Unternehmen vermarktet die Merchandising-Rechte von "Alfred J. Kwak" und erwirbt die TV-Rechte für die "Teenage Mutant Hero Turtles". In den Folgejahren wird der Rechte-Stock kontinuierlich ausgebaut.

  Stolzer Segler:  Thomas Haffa
DPA
Stolzer Segler: Thomas Haffa
Auf der Homepage der Aktiengesellschaft heißt es dazu: "Von Anfang an ist das unternehmerische Ziel, sich zu einem globalen Medienunternehmen zu entwickeln. Bereits vor dem Börsengang wurden die nötigen Eckpfeiler gesetzt, um für den internationalen Wettbewerb gerüstet zu sein. Dazu zählen nach wie vor der Aufbau eines attraktiven Rechteportfolios mit international bekannten Marken, die Konzentration auf hochwertige Familienunterhaltung und die Verknüpfung der Interessen der Medien, der Industrie und des Handels."

1990: Übertragung der Merchandisingrechte von dem Spielwarenhersteller Nintendo, dem Deutschen Sportbund und den Hanna-Barbera-Studios.

1991: Verlegung des Firmensitzes nach Unterföhring bei München. Vermarktungsbeginn der Sesamstrasse.

30. Oktober 1997: Das Unternehmen geht an den Neuen Markt. Der Ausgabepreis der Aktien beträgt umgerechnet etwa 0,35 Euro. In den Folgemonaten steigt das Papier bis auf 120 Euro.

Dezember 1998: EM.TV und die KirchGruppe gründen das Gemeinschaftsunternehmen Junior TV. Im Rahmen des Geschäfts gibt EM.TV der KirchGruppe eine Finanzspritze von gut 255 Millionen Euro.

Februar 2000: EM.TV Börsen-Chart zeigen übernimmt für rund 1,3 Milliarden Mark die Jim Henson Company ("Muppet Show"). Nach Einschätzung von Beobachtern ist der Preis völlig überhöht.

Als Finanzvorstand gescheitert: Florian Haffa
Februar 2000: Wie erst Monate später bekannt wird, veräußert Thomas Haffa rund 200.000 EM.TV-Aktien und kassiert dabei rund 40 Millionen Mark. "Strategische Investoren" hätten ihn gedrängt, entschuldigt sich Haffa später. Dabei hatte er sich nach einer Kapitalerhöhung gegenüber dem Konsortialführer WestLB verpflichtet, keine Anteile abzustoßen.

März 2000: EM.TV sichert sich für etwa 3,3 Milliarden Mark eine 50-prozentige Beteiligung an der Formel 1-Vermarktung. Auch mit diesem Milliardengeschäft übernimmt sich der Münchner Lizenzhändler.

April 2000: EM.TV gibt die Zahlen für das Jahr 1999 bekannt. Der Umsatz steigt von 81 auf 317 Millionen Mark, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wird auf 150 Millionen Mark fast verfünffacht.

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