Mittwoch, 21. November 2018

EM.TV Kapitalvernichtung im Rekordtempo

3. Teil: Die Haffas werden verurteilt

15. November 2001: Die renommierte US-Kanzlei Shalov Stone & Bonner will eine Sammelklage gegen die früheren EM.TV-Vorstände einreichen. Nach Ansicht der Juristen haben die Brüder Ende September 2000 bei einer Roadshow in den USA versucht, institutionelle Investoren mit geschönten Zahlen zu ködern. Der Controlling-Vorstand Ulrich Goebel soll vergeblich dagegen interveniert haben.

27. November 2001: Werner Klatten trennt sich überraschend nach wenigen Wochen von seinem Finanzvorstand Marius Schwarz.

Brachten EM.TV kein Glück: Miss Piggy und Kermit aus der "Muppets Show"
April 2002: EM.TV legt auch für 2001 tiefrote Zahlen vor. Der Verlust betrug 374 Millionen Euro.

4. November 2002: Vor dem Münchner Landgericht beginnt der Prozess gegen Thomas und Florian Haffa. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Kursbetrug vor.

19. Januar 2003: Das Kartellamt prüft den Einstieg von Werner Klatten bei EM.TV. Stand Leo Kirch doch Pate bei dem Deal?

18. Februar 2003: EM.TV verliert die letzten Anteile an der Formel 1. Das 16,7-Prozent-Paket wird zum eher symbolischen Preis von 8,5 Millionen Euro an die Bayerische Landesbank verkauft.

8. März 2003: Weiterer Rückschlag für das Unternehmen: Der Verkauf der Jim Henson Company ist erst einmal geplatzt.

31. März 2003: EM.TV hat auch 2002 tiefrote Zahlen geschrieben. Vor allem wegen hoher Abschreibungen summierte sich der Fehlbetrag auf mehr als 310 Millionen Euro.

8. April 2003: Das Münchner Landgericht verurteilt die Haffa-Brüder wegen unrichtiger Darstellung ihrer Unternehmensverhältnisse zu hohen Geldstrafen. Thomas Haffa muss 1,2 Millionen Euro, Florian Haffa 240.000 Euro Strafe zahlen.

Die beiden Ex-Vorstände zeigen sich überrascht. Er sei "fassungslos", sagte Thomas Haffa in einem Gespräch mit vwd. Er hätte einen Freispruch als "gerecht empfunden". Die Anwälte der Brüder wollen in Revision gehen. "Dieses Urteil ist in keinster Weise gerecht", sagt Thomas Haffa zur Begründung.

Ähnlich enttäuscht reagieren einige Fachleute. Sie hatten ein deutlich höheres Strafmaß erwartet. Der renommierte Rechtsanwalt Klaus Rotter: "Das Urteil ist ein Skandal. Spätestens im Sommer 2000 war den angeklagten Brüdern bekannt, dass das Unternehmen EM.TV auf die Insolvenz zusteuert, weil sie die Kaufpreisverpflichtung nicht finanzieren konnten."

Rotter weiter: "Wegen dieser Schieflagen musste EM.TV schließlich mit Kirch kooperieren, der seinerzeit nur aufgrund massiven politischen Drucks die Verpflichtung bedienen konnte. Entgegen der gesetzlichen Verpflichtung, kursrelevante Tatsachen ad-hoc zu melden, wurde den Anlegern dies nicht mitgeteilt. Bei diesem Tatkomplex ist die Vorsatzfrage eindeutig. Ich kann nicht nachvollziehen, dass das Gericht diesen Punkt während der langen Verhandlungsdauer nie aufgriff."

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