Montag, 17. Dezember 2018

Metabox Chronik eines angekündigten Todes

Die lange Geschichte eines Unternehmens, das die Internet-Technik revolutionieren wollte.

15. Mai 1996

: Gründung

Von ehemaligen Entwicklungsingenieuren und Managern der Amiga Technologies wird die Firma PIOS Computer AG gegründet, die später zur Metabox AG Börsen-Chart zeigen umfirmiert wird.

7. Juni 1999: Börsengang

Metabox-Gründer Stefan Domeyer
Metabox-Gründer Stefan Domeyer
Unter Konsortialführung der NordLB bringen die Banken MM Warburg, Merck, Finck & Co und das "Virtuelle Emissionshaus" VEM die Aktie des Hildesheimer Unternehmens unter der WKN 692120 an den Neuen Markt. Der Ausgabepreis für die 724.300 Anteile liegt bei 45 Euro pro Stück, nachdem die Emission 18-fach überzeichnet war, der erste Handelskurs wird mit 48,50 Euro festgestellt. Das Unternehmen nimmt mit dem Börsengang nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Mark ein.

Den Vorstandsvorsitz hat Stefan Domeyer inne; sein Jahressalär wird auf 168.000 Mark festgelegt und im Folgejahr auf 240.000 Mark erhöht.

Im Emissionsprospekt liest man über Domeyer: "Er schloss sein Studium der Betriebswirtschaft als Diplom-Kaufmann 1987 mit Prädikat ab. Erste Berufserfahrungen sammelte er in einer Werbeagentur, der EDV-Beratung und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Als kaufmännischer Leiter der Ericsson GmbH und als Geschäftsführer der Amiga Technologies GmbH übernahm er auch operative Verantwortung. Er ist der Initiator und ein Gründungsaktionär der Metabox AG."

Der Aktienbestand des Vorstandsvorsitzenden liegt gemäß Prospekt vom 1. Juli 1999 bei 225.588 Anteilen. Nach dem Split (1:5) vom 1. September 2000 verfünffacht sich der für Stefan Domeyer gemeldete Bestand auf 1.127.940 Aktien.

Eine Information, die nicht ganz unwichtig ist. Etwa zwei Jahre später lesen die erstaunten Anleger im Quartalsbericht I/2001, dass Stefan Domeyer nur noch 47.225 Aktien hält.

Auch diese Zahl ist bald Makulatur, da Domeyer mehrere Verkäufe tätigt. Anfang Juni 2001 wird sein offizieller Aktienbestand auf unter 2.500 Stück gefallen sein. Die hastig nachgereichte Erklärung des CEO zu diesem Sachverhalt: In Wahrheit sei seine Frau Kerstin offizielle Eigentümerin des Aktienbestandes, der bis dato immer auf seinen Namen gemeldet wurde.

31. August 1999: Erste Empfehlungen

Die Konsortialbank Merck Finck & Co. rät zum Kauf. Sie prognostiziert eine "überdurchschnittliche Kursentwicklung" und beziffert die voraussichtlichen Umsatzerlöse für 1999 auf 42 Millionen Mark. Für das Geschäftsjahr 2000 erwarte man einen Umsatzanstieg auf 99 Millionen Mark. Fazit: Die Aktie sei als "Outperformer" ein klarer Kauf. Diese Aussage wird in den Folgemonaten mehrmals wiederholt.

August 1999: Erster Ärger

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) erhebt Vorwürfe gegen das Metabox-Management. SdK-Vorstandsmitglied Marcus Straub wirft zwei Vorständen des Unternehmens vor, sie hätte ihre Aktien vor Ablauf der Haltefrist verkauft. Erste Diskussionen über mögliche Sanktionen beginnen. Ein Entzug der Börsenzulassung wird von der SdK jedoch abgelehnt, da diese vor allem die Kleinanleger bestrafen würde. Metabox-Geschäftsführer Geerd-Ulrich Ebeling weist die Vorwürfe zurück. Die Papiere aller Altaktionäre seien bei der NordLB hinterlegt und könnten nicht ohne deren Zustimmung verkauft werden. Die Deutsche Börse prüft die Vorwürfe und fordert die Depotauszüge aller potenziell verdächtigen Altaktionäre an.

Oktober 1999: Streit mit Infomatec

Metabox erwirkt gegen die Infomatec AG eine einstweilige Verfügung. Die Firma hatte angeblich behauptet, sie stelle die einzige Internet Set-Top-Box her, die über einen Internet-Browser verfüge, welcher alle Java-Applets mit ihren Sicherheitsmechanismen verwenden könne. Weiterhin sollen die Augsburger für sich reklamiert haben, ihr TV-Zusatzgerät sei das einzige am Markt, welches den uneingeschränkten Zugriff auf das Internet ermögliche. Die Hildesheimer kontern: "Diese Behauptungen sind falsch. Metabox war im Gegenteil die erste Firma in Deutschland, die Set-Top-Boxen hergestellt hat, welche den uneingeschränkten Zugang zum Internet ermöglichen."

5. November 1999: Kurssprung nach Südafrika-Meldung

Die Metabox-Aktie steigt kräftig an. Die Tageszeitung "Die Welt" schreibt am nächsten Tag: "An der Spitze der Gewinner lagen Metabox. Der Kurs schloss um 17 Prozent höher bei 26,20 Euro. Metabox gab am Morgen bekannt, dass mit der Eagle International in Pretoria eine Vereinbarung für die Einführung von Internet-TV im südafrikanischen Markt getroffen worden sei. Aus der Zusammenarbeit erwarte Metabox in den kommenden zwölf Monaten einen Erlös von etwa zehn Millionen Mark."


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