Samstag, 17. November 2018

Experten-Chat Börsenpsychologie

Börsenpsychologe Joachim Goldberg, Chef der Frankfurter Cognitrend, gibt Verhaltensregeln, die Erfolg an der Börse versprechen. Lesen Sie das Protokoll des Experten-Chats zum Thema Börsenpsychologie.

mm:

Herr Goldberg, welche Fehler werden häufig von privaten Anlegern begangen?

Joachim Goldberg: In erster Linie dreht es sich immer wieder um die Geschichte, dass Gewinne zu früh und Verluste zu spät realisiert werden. Wenn man es umdreht, dürfte man zu wesentlich besseren Ergebnissen kommen. Das hört sich leicht an, ist aber aufgrund der menschlichen Psyche in der Praxis nur schwer umsetzbar.

Malicant: Wie schnell sollte ich denn bei Verlusten verkaufen?

Joachim Goldberg: Das hängt vom Zeithorizont ab. Langfristige orientierte Anleger können sich dabei sehr viel Zeit lassen, denn Ihre Engagements sollen gegebenenfalls ja erst nach Jahren wieder aufgelöst werden. Beim kurzfristigen Anleger ist es entscheidend, wie stark die Aktie in der Vergangenheit geschwankt hat, denn man möchte bei der Verlustbegrenzung ja nicht gleich wieder aus dem Markt geworfen werden. Als Faustregel gilt: Mein Gewinn sollte etwa drei Mal so hoch sein, wie das, was ich bereit bin zu riskieren. Wenn ich zum Beispiel 20 Euro riskiere, muss ich schon Fantasie für 60 Euro haben. Und wenn das Kursziel erreicht ist, dann braucht man auch nicht sofort zu verkaufen, sondern kann auch seine Verlustbegrenzung adjustieren.

powertrader: Im vergangen Jahr habe ich meine Stopp-Loss-Order häufig nach unten verschoben. Sollte man sklavisch am ersten Stopp-Loss festhalten?

Joachim Goldberg: Ein Stop-Loss darf nur in Richtung des Engagements verschoben werden, wenn ich also eine Aktie gekauft habe, darf ich den Stop nicht nach unten ziehen, denn dann wäre ja der Sinn des Stopps verfehlt. Ich kann Ihre Motivation aber gut verstehen. Trotzdem: Das ist Teil der Disziplin, sonst lässt man letztlich wieder seine Verluste wie bisher laufen.

stockmaster: Herr Goldberg, gilt das, was Sie raten, für alle Anlageformen (Fonds, Optionen und so weiter) oder nur für Aktien?

Joachim Goldberg: Prinzipiell gilt das für alle Märkte, aber man sollte natürlich bei gemanagten Fonds die manchmal recht hohen Transaktionskosten berücksichtigen. Viele Fonds eignen sich nicht für den kurzfristigen Handel.

albert: Ihr oberstes Gebot für den erfolgreichen Anleger heißt Disziplin. Kann man Disziplin lernen? Wenn ja, wie?

Joachim Goldberg: Disziplin kann man tatsächlich lernen und sie kann auch Spaß machen. So werden wir (eventuell auch andere) in Kürze Kurse dazu anbieten. Wenn es aber schnell sein soll, dann wäre vielleicht das Buch "Behavioral Finance" von Rüdiger von Nitzsch und mir selbst als erste Hilfe vorzuschlagen.

Hofer: Sollten Anlageberater nicht eigentlich auch psychologisch geschult werden?

Joachim Goldberg: Das wäre dringend nötig, denn nur ein Berater, der seinen Kunden auch tatsächlich versteht, kann auf ihn eingehen. Denn es nutzt nichts, wenn man nur die Probleme schön redet. Der Anleger braucht sicherlich mehr als nur das Verkaufsgespräch und vor allen Dingen dann Hilfe, wenn es einmal nicht so läuft, wie er sich das gedacht hat. Dann hört man immer nur die gebetsmühlenartigen Analysten-Statements: Durchhalten, durchhalten, durchhalten.

Börsenpsychologie

Börsenpsychologe Joachim Goldberg gibt Verhaltensregeln, die Erfolg an der Börse versprechen.

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Nicht auf die Kurse starren!

Wie sich Anleger disziplinieren und Fehler vermeiden.

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