Donnerstag, 15. November 2018

Nasdaq Übernahme der Easdaq beschlossen - der Neue Markt bleibt außen vor

Schlag gegen den Neuen Markt: Die US-Hightechbörse will die Mehrheit an der Easdaq erwerben.

New York - Die Nasdaq werde 58 Prozent der Brüsseler Wachstumsbörse Easdaq übernehmen, teilte die weltweit zweitgrößten Börse am Dienstag mit. Die Easdaq solle eine wichtige Verbindung in der globalen Handelsplattform der Nasdaq einnehmen.

Über den Erwerb hinaus werde aber auch weiterhin mit möglichen anderen Partnern in Europa gesprochen, hieß es. Finanzielle Details zu dem Kauf der Anteile wurden nicht genannt. An der 1996 gegründeten Easdaq notieren derzeit 62 Firmen und damit deutlich weniger als die ursprünglich geplanten 500.

Handelssystem wird überarbeitet

Als Preis für die Easdaq waren 14 Millionen Euro genannt worden. Die Nasdaq teilte am Dienstag weiter mit, die Easdaq solle in Nasdaq Europa umbenannt werden. Im Mai oder Juni solle das neu entwickelte Handelssystem ETS für Europa eingeführt werden.

Zudem solle in enger Zusammenarbeit mit den Marktteilnehmern eine anwenderkontrollierte, zentrale Gegenpartei geschaffen werden. Dies ist eine elektronische Schnittstelle zwischen Käufern und Verkäufern, die einen anonymen Handel ermöglicht den Abschluss des Handels erleichtern soll.

Nasdaq auf scharfem Expansionskurs

Die Nasdaq hatte bereits im vergangenen Jahr ein Tochter in Asien gegründet und zudem mehrfach angekündigt, durch ein weiteres Standbein in Europa einen weltweiten 24-Stunden-Handel anbieten zu wollen.

Durch einen Einstieg bei der Easdaq könnte die Nasdaq nach Einschätzung von Experten im internationalen Wettbewerb mit der New York Stock Exchange (NYSE) - der "Wall Street" - aufholen, wenn internationale Börsenregularien weiterentwickelt würden und dadurch mehr europäische Unternehmen für den Handel in den USA zugelassen würden. Bisher werden nicht-amerikanischen Firmen sehr hohe Auflagen für den Gang an den US-Markt gemacht.

Schlappe für den Neuen Markt

Die Nasdaq war im vergangenen Jahr auch in die damals geplante Fusion der Börsen Frankfurt und London eingebunden gewesen. Diese Fusionspläne waren aber gescheitert. Seither gab es wiederholt Spekulationen über ein Zusammengehen der Nasdaq mit der Börse London oder der Deutsche Börse AG. Der Verbund zwischen Nasdaq und Easdaq könnte ein ernster Konkurrent für den Frankfurter Wachstumsmarkt Neuer Markt werden.

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