Dienstag, 24. April 2018

Ostimmobilien Milliarden versenkt

Angelockt von hohen Renditen und opulenten Steuergeschenken, steckten Spitzenverdiener riesige Summen in ostdeutsche Immobilienfonds. Das Wirtschaftswunder blieb aus, viele Investitionen floppten. mm sagt, wie Anleger ihr Geld retten können.

Es war eines dieser Angebote, das Spitzenverdiener nur selten ablehnen. Sie investieren 100.000 Mark, dann schenkt Ihnen das Finanzamt 50.000 Mark, und Sie verdoppeln Ihr Kapital bis zum Jahr 2021. So rechnete 1996 die Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft (IBV) die Vorzüge ihrer 5. LBB-Beteiligungsfonds KG vor.

Damit nicht genug. Um die Wohnanlagen, Bürogebäude und Hotelkomplexe ihres ostdeutschen Immobilienfonds auch wirklich an den Steuersparer zu bringen, machte das Tochterunternehmen der Bankgesellschaft Berlin ein weiteres großzügiges Versprechen: Für die Anleger sollte die Investition praktisch ohne Risiko bleiben.

Standort ungeeignet
Fundus-Bürohaus "Pyramide" in Berlin-Marzahn
Prospekt ... ... Wirklichkeit
Gute Lage: Bürostandort mit hohem Potenzial. Leere Flure: Mehr als ein Drittel der Fläche steht leer.
Spitzenmiete: 32,50 Mark für den Quadratmeter sind erzielbar. Preisverfall: Die Mieter zahlen im Schnitt nur knapp 18 Mark für den Quadratmeter.
Lukrative Anlage: Ausschüttungen von 5,5 bis 9,25 Prozent p. a. prognostiziert. Geldnot: Der Fonds brauchte 27 Millionen Mark frisches Kapital, um zu überleben.
Für den Fall, dass sich die geplanten Mieteinnahmen später nicht realisieren lassen, sagte die IBV ihren Investoren zu, Einnahmeausfälle durch großzügige Garantien auszugleichen.

Und auch das Risiko eventueller Wertverluste nahm die Fondsgesellschaft ihrer Klientel ab. Nach 25 Jahren sollten die Anleger ihre Anteile an die IBV zum Einstandspreis zurückgeben können, selbst wenn sich die Objekte zu diesem Zeitpunkt nur zu deutlich schlechteren Konditionen am Markt verkaufen ließen.

Ein Superangebot? Von wegen. Statt sich über ihre Fondsanteile zu freuen, zittern die Anleger derzeit um ihr Geld. Die Kombination aus großzügigen Garantieversprechen und hohen Steuervorteilen ist so gar nicht nach dem Geschmack der Finanzbehörden. Die Berliner Steuerjuristen bezweifeln, dass die Rundum-Sorglos-Pakete der IBV mit den Gesetzen in Einklang stehen.

Der Initiator gibt sich gelassen: Bei den Betriebsprüfungen seien bislang keine Unstimmigkeiten festgestellt worden. Tatsächlich aber hat die IBV erst für vier der umstrittenen Fonds einen rechtskräftigen Prüfbescheid. Bis Ende 2000 verkaufte die Gesellschaft jedoch weitere 14 Immobilienbeteiligungen dieser Machart. Verweigern die Prüfer hier den steuer-lichen Segen, drohen den beteiligten Anlegern Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe.

Die Lage ist ernst, nicht nur bei der Fondstochter der Bankgesellschaft Berlin. 2001 könnte für viele Steuersparer, die in den 90er Jahren ihr Geld in ostdeutsche Immobilienfonds steckten, zum Desaster werden. Wie bei der IBV prüfen die Finanzämter überall zwischen Rostock und Dresden, ob Anleger Steuervorteile zu Unrecht kassiert haben.

Und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn ein großer Teil der während des Vereinigungsbooms aufgelegten Fonds steckt derzeit in ernsten Schwierigkeiten. Die Mieten sind drastisch gesunken. Viele Gebäude stehen leer.

Gefährdete Steuervorteile, wegbrechende Einnahmen – das einstige Immobiliendorado Ostdeutschland entwickelt sich zum Milliardengrab. Privatanleger müssen nun dringend prüfen, ob ihre Beteiligungen von der Misere betroffen sind, und dann retten, was zu retten ist.

Es geht um sehr viel Geld. Geködert mit dem vermeintlich heraufziehenden ostdeutschen Wirtschaftswunder und angelockt durch großzügige Steuergeschenke, investierten Besserverdiener in den 90er Jahren über 100 Milliarden Mark in den neuen Bundesländern, das meiste davon über so genannte geschlossene Fonds.

Wie jüngst an der Börse für Hightech-Aktien versprachen Fondsinitiatoren und Banken den Anlegern auch damals ein scheinbar grenzenloses Wachstum und traumhafte Renditen:

  • Zu Beginn der 90er Jahre waren es riesige Shoppingcenter auf den grünen Wiesen rund um die Städte und Gemeinden zwischen Neubrandenburg und Jena. Die sollten wegen der bis dahin schlechten Versorgungssituation der Ostdeutschen auf eine große Nachfrage treffen.


  • Dann bauten die Initiatoren gewaltige Büro- und Gewerbekomplexe mit zum Teil 25.000 Quadratmeter zu vermietender Fläche. Diesmal waren die Angebote auf ausländische Unternehmen zugeschnitten, die hohe Investitionen in Ostdeutschland ankündigten.


  • In der dritten Welle des Baubooms zogen die Fonds so genannte Wohnparks und Wohnanlagen hoch, die den neuen Bundesbürgern endlich eine Alternative zu den verrottenden Plattenbauten bieten sollten.
Die Visionen erwiesen sich als unrealistisch. Binnen weniger Jahre entstand Geschäfts-, Büro- und Wohnraum, der selbst nach optimistischen Prognosen den Bedarf bis 2010 decken könnte.

Das ostdeutsche Wirtschaftswunder dagegen ließ genauso auf sich warten wie das Geld der ausländischen Investoren. "Die Nachfrage entwickelte sich viel schlechter als erwartet", sagt Andreas Schulten, Vorstandsmitglied des Immobilienmarktforschers Bulwien AG. Immer mehr Gewerbe- und Wohnimmobilien blieben leer.

Nun stehen viele Anleger vor den Trümmern ihrer Investitionen. Betroffen sind vor allem diejenigen, die sich in der Hochphase des Baubooms, zwischen 1993 und 1997, an Ostimmobilien beteiligten.

Dennoch, Anleger, die jetzt handeln, haben eine Chance, das Schlimmste abzuwenden.

manager magazin hat gemeinsam mit Immobilienexperten, Anwälten und Steuerfachleuten nach Auswegen aus der Misere gesucht. Lesen Sie, wie Sie erkennen, ob Ihr Fonds in Gefahr ist; wie Sie, zusammen mit den anderen Gesellschaftern, Ihre Immobilie retten; wie Sie dem Finanzamt gegenüber richtig argumentieren; und wie Sie Ihre Interessen bei den Banken durchsetzen.


Ostimmobilien

mm sagt, wie Anleger ihr Geld retten können

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH