Mittwoch, 12. Dezember 2018

KPMG in Finanzskandal in Südafrika involviert Wenn Manager die eigene Bank ausrauben

"Bis zum Kern verfault": Der Skandal um die kleine VBS-Bank erschüttert die Finanzwelt Kapstadt.

KPMG, Mitglied der "Big Four" der internationalen Wirtschaftsprüfer, kämpft mit einem neuen Skandal in Südafrika. Partner waren dort involviert in einen Fall, den die Zentralbank als "großen Bankraub" bezeichnet.

Es hört sich wie eine fast unglaubliche Geschichte an: Vorstände, Topmitarbeiter und Wirtschaftsprüfer der südafrikanischen Genossenschaftsbank VBS haben dem Geldinstitut rund 1,9 Milliarden Rand - umgerechnet rund 112 Millionen Euro - gestohlen. So steht es in einem Untersuchungsbericht mit dem schönen Namen "Der große Bankraub", den die südafrikanische Zentralbank gerade veröffentlicht hat. Insgesamt 53 Personen oder Organisationen - darunter der CEO, der Finanzvorstand, Aufsichtsräte und eben auch Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG - hätten ohne Gegenleistung erhebliche Auszahlungen kassiert.


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Für KPMG kommen die Ergebnisse zur Unzeit. Weltweit kämpft der Testat- und Beratungsmulti mit einer Pannenserie. In Südafrika arbeiten die Wirtschaftsprüfer noch den Gupta-Skandal auf, in dessen Folge KPMG Dutzende Konzernkunden verloren hatte. Es geht dabei um die allzu engen Beziehungen zwischen der Industriellenfamilie Gupta, den Wirtschaftsprüfern und Ex-Staatspräsident Jacob Zuma. Der inkriminierte Landes-Chef von KPMG, etliche Partner und Mitarbeiter mussten das Unternehmen in der Folge verlassen; die Prüfer hatten sich mehrfach öffentlich entschuldigt. Nun fordern Politiker abermals Konsequenzen, weil "KPMG direkt und indirekt dem Land Südafrika geschadet habe".

Der 148-Seiten-Report ist der vorläufige Höhepunkt eines Krimis, der Südafrikas Wirtschaft seit Monaten bewegt - auch wenn VBS eine der kleinsten Banken des Landes ist. Im März war die Genossenschaftsbank wegen akuter Liquiditätsprobleme unter Zwangsverwaltung der Zentralbank gestellt worden. Über fünf Monate hatte seitdem eine Anwaltskanzlei die Vorgänge untersucht.

Bei der VBS-Bank habe es von 2015 bis 2018 eine "weite Bandbreite krimineller Handlungen" gegeben, erklärte der Anwalt Terry Motau, der die aktuelle Untersuchung geleitet hat. Die Bank sei "bis zum Kern verfault und korrupt" und müsse daher schnellstens abgewickelt werden. "Es gibt kaum eine Person unter den Beschäftigten in Verantwortungspositionen, die nicht in irgendeiner Weise beteiligt waren." Etliche Direktoren der Bank hätten Schmiergelder erhalten, "mit der Absicht ihr Schweigen zu erkaufen".

Büro von KPMG in Kapstadt

KPMG hatte der Bank noch den Jahresbericht 2017 abgezeichnet, kurz bevor die Schwierigkeiten öffentlich wurden. Der KPMG-Partner Sipho Malaba persönlich soll laut Bericht mit umgerechnet rund 2 Millionen Euro profitiert haben, etliche Kredite der Bank soll er der Muttergesellschaft verheimlicht haben.

Politiker in Südafrika fordern nun Rückzahlungen von KPMG. Schon im Gupta-Fall hatte das Unternehmen Honorare zum Teil an den Staat zurück überwiesen. Inwiefern jetzt auch Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können, ist unklar.

KPMG betonte, es könne keine Toleranz geben. Man glaube, dass die bereits eingeleiteten Veränderungen in dem Unternehmen das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit wieder herstellen würden. Malaba hatte die Wirtschaftsprüfer nach Bekanntwerden des Skandals bereits im April nach elf Jahren als Partner verlassen.

lhy/dpa

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