Samstag, 1. Oktober 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Privilegien der Staatsdiener (III) Beamtenkinder sind mehr wert

In seinem neuen Buch rechnet der Wirtschaftsprüfer Torsten Ermel vor, was die deutschen Beamten wirklich verdienen. In einer fünfteiligen Serie stellt der Autor seine wichtigsten Thesen vor, die für viel Gesprächsstoff sorgen dürften - nicht nur unter den Staatsdienern.

Die Familie steht in Deutschland unter besonderem Schutz des Staates, so steht es im Grundgesetz. Dass dem Staat einige Kinder mehr wert sind als andere oder bestimmte Ehen und Familien finanziell bevorzugt werden, ist eigentlich undenkbar. Das wäre schließlich ungerecht, oder? Tatsächlich manifestiert das deutsche Beamtenrecht aber genau das: die systematische Bevorzugung von Beamtenkindern und -ehepartnern.

In Deutschland werden verheiratete Beamte ebenso wie verheiratete Arbeitnehmer steuerlich nicht nach der Grundtabelle veranlagt, sondern nach der günstigeren Splittingtabelle. Insoweit werden alle Ehen gleich behandelt. Beamte haben aber darüber hinaus ein Privileg, das andere Arbeitnehmer nicht haben: den Ehegattenzuschlag.

Ein verheirateter Beamter bekommt zusätzlich zu seiner Besoldung eine Prämie - einfach weil er verheiratet ist. Der Zuschlag ist nach Dienstgrad gestaffelt, er beträgt im einfachen und mittleren Dienst 127 Euro, im gehobenen und höheren Dienst 133 Euro im Monat. Diese Beträge sind allerdings steuerpflichtig.

Nicht nur der Beamte selbst wird derart staatlich alimentiert, sondern seine ganze Familie. Der ursprüngliche Hintergrund dieser Regelung war, dass der verheiratete Beamte finanziell nicht schlechter dastehen sollte als der ledige. Auch ein Beamter, der einen weniger begüterten Ehepartner mitversorgen muss, sollte "amtsangemessen" leben können.

Torsten Ermel
  • Copyright: Tectum Verlag
    Tectum Verlag
    Neugier und Gerechtigkeitssinn haben den Bankkaufmann und BWLer Torsten Ermel (Jahrgang 1966) zur Beschäftigung mit den Einkünften von Beamten gebracht. Er ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Bielefeld und plädiert für mehr Gerechtigkeit sowie für eine politische Reform des Beamtentums.
Nun wird allerdings gar nicht geprüft, ob der Ehepartner nicht vielleicht eine gute Partie ist und sehr gut für sich selbst sorgen könnte. Den Ehegattenzuschlag erhält jeder Staatsdiener, selbst dann, wenn beide Ehegatten verbeamtet sind, dann allerdings jeder nur zur Hälfte.

Obwohl also beide Ehegatten schon durch ihre eigene Besoldung durch den Steuerzahler alimentiert werden, gibt es obendrauf noch den Zuschlag - der in diesem Fall überhaupt nicht mehr begründet werden kann. Im Laufe eines Beamtenlebens kommen auf diese Weise erhebliche Summen zusammen.

Für einen mittleren Beamten, der im Monat 127 Euro Zuschlag erhält (bzw. 88 Euro als Pensionär), ergeben sich nach 40 Jahren aktiver Tätigkeit und 20 Jahren Ruhestand insgesamt 80.000 Euro brutto. Ein durchschnittlich verdienender Arbeitnehmer müsste dafür zwei Jahre lang in Vollzeit arbeiten.

Verwitwete Beamte bekommen den Ehegattenzuschlag übrigens über den Tod ihres Partners hinaus. Selbst ein Staatsdiener, der beispielsweise schon im Alter von 40 Jahren Witwer wird, bekommt bis an sein eigenes Lebensende jahrzehntelang Monat für Monat den Zuschlag. Sachlich ist das kaum zu begründen.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH