Montag, 25. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Anleihekaufprogramm der EZB Viel Aufwand, wenig Ertrag

Euro-Druckmaschine: Viel Geld, begrenzte Wirkung

Die kürzlich beschlossene Ausweitung des Anleihekaufprogramms durch die EZB hat zunächst nur zwei unmittelbare Nutznießer: Frankreich mit seiner hohen und weiter steigenden Staatsverschuldung müsste eigentlich nach traditionellen Maßstäben etwa 4 bis 5 % Zinsen bezahlen, um überhaupt die Staatsschulden finanzieren zu können.

Italien mit einem Schuldenstand von 133 % des Bruttosozialproduktes und weiterhin stark steigenden Staatsschulden müsste nach traditionellen Maßstäben wahrscheinlich 6 - 8 % im Jahr für etwa 10jähriges Geld bezahlen, um sich finanzieren zu können. Durch das Anleihekaufprogramm der EZB können sich insbesondere Frankreich und Italien jetzt zu unter 1 % pro Jahr finanzieren, da die EZB die Anleihen kauft.

Zur Person
Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius Management in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Aufsicht der Bafin.
Viele wollen nun gerne wissen, ob es auch andere Begünstigte gibt, und ob es vielleicht irgendwo eine Investitionsmöglichkeit gibt. Hier ist ein Blick auf Amerika hilfreich. Die amerikanische Zentralbank Fed hat schon vor vielen Jahren ein derartiges Programm aufgelegt, und es lohnt sich hin zusehen, welchen Erfolg der gewaltige Aufwand hatte.

Im III. Quartal 2015 ist die amerikanische Wirtschaft mit 2,1 % Jahresrate gewachsen. Für das Gesamtjahr 2015 dürfte die Wachstumsrate bei 2,2 % liegen. Dies sind mediokre Zahlen, insbesondere für amerikanische Verhältnisse. Seit Jahren hat sich die amerikanische Wirtschaft nicht wesentlich besser entwickelt.

4,5 Billionen Dollar: Fed hat Bilanzsumme verfünffacht

Die USA haben aber bisher ungekannte Beträge investiert, sowohl in der Fiskalpolitik als auch in der Geldpolitik, um die Erholung anzuschieben. All dies hat nicht gewirkt. Die Wachstumsraten sind nicht weit entfernt von der durchschnittlichen früheren Wachstumsrate ohne irgendeine Art von fiskalischem Anschub.

Bei Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 war die Bilanzsumme der Fed ungefähr 900 Milliarden Dollar. Als das Kaufprogramm der Fed im Oktober 2015 beendet wurde, war die Bilanzsumme fast 5 mal so hoch, ungefähr 4,5 Billionen als Resultat von verschiedenen Tranchen des sogenannten Quantitative Easing, die viel Geld in die Wirtschaft pumpten und die Zinsen bei ungefähr 0 % hielten.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH