Samstag, 17. November 2018

UPS DaimlerChrysler ließ sich gegen Scientology beraten

Die Scientology-Organisation beherrscht nach Ansicht von Verbraucherschützern bereits 700 Firmen in Deutschland - Tendenz steigend. Schwere Vorwürfe erhebt ABI-Chef Eberhard Kleinmann gegen den Logistik-Konzern UPS.

München - Kleinmann, Vorsitzender der Stuttgarter Verbraucherschutzorganisation "Aktion Bildungsinformation" (ABI), warf dem US-Konzern UPS (United Parcel Service) am Freitag dubiose Verbindungen zu Scientology vor. Dies gelte sowohl hinsichtlich der Zahlungen von Geldern als auch der Managementmethoden.

In einer Stellungnahme wies die UPS Deutschland Inc & Co OHG, Neuss, die Vorwürfe zurück: UPS fördere und billige in keiner Weise Scientology oder deren philosophische, theologische und ideologischen Ziele. Es sei eine einstweilige Verfügung gegen Vorwürfe der ABI erwirkt worden.

Beiratsmitglieder vor dem Rückzug

Münchener Medienberichten zufolge haben auf Grund der Vorwürfe gegen UPS drei Bundestagsabgeordnete angekündigt, den "wissenschaftlich-politischen Beirat" des Unternehmens zu verlassen.

Es handle sich um Uwe Jens (SPD), Gunnar Uldall (CDU) und Rainer Funke (FDP). Jens wird mit den Worten zitiert: "Ich will mir nicht das Etikett an die Brust heften lassen, ich hätte etwas mit Scientology zu tun."

Fast alle Großunternehmen betroffen

In Deutschland sind ABI zufolge fast 700 Firmen im Besitz der Scientologen. Die Organisation verstärke ihren Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Fast alle großen Unternehmen hätten schon einmal Kontakt zu Scientology durch Tarnorganisationen im Managementbereich gehabt, sagte Kleinmann.

Als gemeinnützige Verbraucherschutzeinrichtung in Bildungsfragen kämpft ABI seit Jahren gegen Scientology-Einflüsse in der Wirtschaft. ABI berät in diesem Zusammenhang nach eigenen Angaben Institutionen, Einzelpersonen und auch Unternehmen, wie beispielsweise DaimlerChrysler.

Beträchtliche Zahlungen an US-Abgeordnete

ABI zufolge haben Scientology nahe stehende Organisation beachtliche Geldmittel von UPS erhalten. Hierzu zählten die World Literacy Crusade Foundation (WLC) und zahlreiche US-Abgeordnete, die Deutschland wegen seines strikten Kurses gegen Scientology-Organisationen Diskriminierung religiöser Minderheiten vorgeworfen haben.

Allein US-Abgeordnete hätten insgesamt bis zu 240.000 Dollar von UPS erhalten, erklärte ABI. Außerdem hätten Scientology und ihre Unterorganisationen Lieferverträge mit UPS abgeschlossen. UPS arbeite überdies mit Managementmethoden, die den Techniken des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard ähnelten.

UPS spricht von einmaliger Panne

Nach Darstellung von UPS vom Freitag hat eine konzerneigene Stiftung 1996 einen Betrag von 35.000 Dollar als einmalige Finanzhilfe an eine Organisation geleistet, deren Tätigkeit die Ausbildung gefährdeter Jugendlicher umfasste.

Nach heutigen Kenntnissen sei diese Organisation an Scientology angegliedert gewesen, wovon UPS seinerzeit keine Kenntnis gehabt hätte.

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