Mittwoch, 19. Dezember 2018

Mark Wössner Abschied im Unfrieden

Zum Abschied macht der ehemalige Bertelsmann-Lenker keinen Hehl daraus, warum er den Medienkonzern verlässt. Das Verhältnis zum Firmen-Patriarchen Reinhard Mohn hatte sich dramatisch verschlechtert.

Berlin - "In der engen Zusammenarbeit zwischen Herrn Mohn und mir hat sich die 32 Jahre lang familienähnliche, freundschaftliche Chemie am Ende so verändert, dass wir beide beschlossen haben, nicht mehr weiter zusammenarbeiten zu wollen", sagte Wössner der Nachrichtenagentur Reuters.

Ärger mit Patriarchen: Mark Wössner
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Ärger mit Patriarchen: Mark Wössner
Wössner tritt am Mittwoch als Aufsichtsratsvorsitzender der Bertelsmann AG und als Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung zurück.

Das veränderte Verhältnis zwischen ihm und dem 79-jährigen Mohn sei der einzige Grund für seinen Rückzug, sagte Wössner weiter.

Wössner: Freundschaften bleiben

Die freundschaftliche Verbindung zu Vorstandskollegen und Mitarbeitern bleibe - so zu seinem Nachfolger als Bertelsmann-Chef, Thomas Middelhoff, zu dem künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen, zu seinem Nachfolger als Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen, und zu den Mitarbeiter-Vertretern.

Mohn hatte im Mai angekündigt, Wössner wolle aus Gründen der persönlichen Lebensplanung sämtliche Positionen bei Bertelsmann aufgeben. In Branchenkreisen war aber schon damals spekuliert worden, Konflikte mit Mohn seien der wahre Hintergrund für den Rückzug.

Insider munkelten, Wössner habe sich nicht damit abfinden können, als 60-Jähriger 1998 den Chefposten an Middelhoff abzugeben und sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Doch Wössner verneint das: "Dieser Generationswechsel war mustergültig."

Mohn hatte Wössner damals die Leitung des Aufsichtsrates sowie der Bertelsmann Stiftung übertragen. Die Stiftung hält 71 Prozent an Bertelsmann. Mohn will die Stiftung zunächst selbst leiten, bis 2002 Gunter Thielen die Führung übernehmen soll.

Wössner machte Bertelsmann zur Nummer eins

"Ich scheide von Bertelsmann in großer Dankbarkeit für die Chancen, die ich als junger Unternehmer und über all die Jahre hatte", meinte Wössner weiter. Er habe mit großem Freiraum gestalten dürfen und das Unternehmen mit seinen Kollegen dahin bringen können, wo es heute steht.

In den 16 Jahren seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann sei der Umsatz von sechs auf 29 Milliarden Mark gestiegen. Unter Wössner avancierte der Konzern 1988 zum weltgrößten Medienunternehmen.

Derzeit rangiert Bertelsmann mit einem Jahresumsatz von 32,4 Milliarden Mark auf Platz vier der größten Medienkonzerne weltweit. Unter Wössner wurde das Fernsehgeschäft von Bertelsmann durch den Sender RTL begründet, das Musikgeschäft neu gestartet und durch Verlagszukäufe die Position im internationalen Buchgeschäft ausgebaut.

Seinen Ursprung hat das Unternehmen in dem 1835 von Carl Bertelsmann gegründeten Verlag mit Schwerpunkt christlicher Literatur. Mohn stammt aus der Gründerfamilie Bertelsmann.

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