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12. Februar 2003, 14:25 Uhr

MLP

"Schockierend, sensationell schlecht"

Von Lutz Reiche

Analyst Christian Schmidt von der Helaba geht mit MLP hart ins Gericht. Die Zahlen des Finanzdienstleisters seien unklar und kaum nachzuvollziehen, klagt er an. Aus seiner Sicht war es ein Fehler, MLP im Dax zu belassen.

mm.de: Die Börse reagiert mit drastischen Kursverlusten auf die Zahlen von MLP . Teilen Sie die negative Einschätzung der Märkte?

  "Die Zahlen spotten jeder Beschreibung":  Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba geht mit MLP hart ins Gericht.

"Die Zahlen spotten jeder Beschreibung": Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba geht mit MLP hart ins Gericht.

Schmidt: Diese Zahlen sind schockierend, sensationell schlecht. Dies gilt um so mehr vor dem Hintergrund, dass MLP im Januar noch Entwarnung gegeben hatte. Folglich gingen die Analysten von einem Gewinn von rund 86 Millionen Euro aus. Jetzt weist MLP einen Quartalsverlust von 175 Millionen Euro aus. Wenn man allein diesen eklatanten Unterschied betrachtet, stellt sich die Frage wo diese Differenz herkommt. Man kann sich vielleicht um einige Millionen verschätzen, das ist Konsens. Doch die Zahlen heute spotten jeglicher Beschreibung.

mm.de: Sehen Sie keine Zeichen der Besserung? Schließlich gibt MLP vor, nun konservativer zu bilanzieren ...

Schmidt: Das kann man vielleicht so sehen. Doch dann stellt sich die Frage, was hat diese Firma eigentlich bisher getan? Das muss dann ja wohl jenseits von Gut und Böse gewesen sein. Vertritt man den Standpunkt, MLP wolle jetzt seine Bilanzierung transparenter und besser gestalten, dann kann ich dazu nur sagen, dieser Schritt kommt zu spät. Denn sonst würden solche Zahlen nicht zustande kommen.

mm.de: Wie bewerten Sie vor dem Hintergrund der Zahlen nun die Entscheidung der Deutschen Börse , MLP im Dax zu belassen?

Schmidt: Die Entscheidung wurde ja im Vorfeld der Zahlen getroffen. Hätte die Börse heute entschieden, wäre sie womöglich anders ausgefallen. Aber das ist Spekulation. Ich bedauere nicht nur die Entscheidung der Börse. Vielmehr muss man ihr vorwerfen, dass sie MLP im Dax belassen hat, denn schließlich hat MLP die von der Börse gesteckten Kriterien der Marktkapitalisierung nicht erfüllt.

Auch aus einem zweiten Grund hätte sich eine Herausnahme empfohlen: MLP ist nicht mehr als ein Zockerpapier. Wir haben in der jüngsten Vergangenheit Tagesschwankungen von zehn und mehr Prozent gesehen, die durch nichts untermauert wurden. Begleitet von Übernahmegerüchten schwankte die Aktie zuletzt sehr stark vor dem Stichtag, der für die Index-Rangliste entscheidend war. Danach verpufften die Kursgewinne. Wir müssen davon ausgehen, dass auch hier jemand bewusst versucht hat, den Kurs und das Umsatzvolumen nach oben zu treiben.

mm.de: Teilen Sie die Einschätzung der Deutschen Börse, dass Beiersdorf , Continental oder T-Online kein würdiger Nachrücker für MLP gewesen wären?

Die Kursentwicklung von MLP im Vergleich zum Dax (rot)
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Die Kursentwicklung von MLP im Vergleich zum Dax (rot)

Schmidt: Nur bedingt. Die Börse hat T-Online als Schwergewicht des neuen TecDax vermutlich aus geschäftspolitischen Gründen hintenan gestellt. Beiersdorf schied für mich nachvollziehbar wegen der Übernahmegerüchte aus. Mit Conti wäre wesentlich mehr Kontinuität in den Index gekommen. Man muss zwar bemerken, dass MLP mit seiner Gewichtung im Dax nicht für nennenswert große Schwankungen sorgt. Doch nach außen hin und mit Blick auf die ohnehin schon sehr stark belasteten privaten Investoren hätte man hier ein Zeichen setzen und Conti in den Index aufnehmen sollen.

Ich halte es insgesamt für erschreckend, dass es in unserer Börsenlandschaft zu wenige Kandidaten geben soll, die MLP hätten ersetzen können. Ich hatte mir einen Austausch gewünscht - im Zweifelsfall eben auch zugunsten für Continental.

mm.de: Die Deutsche Börse begründet aber ihre Entscheidung gerade mit der Wahrung der Indexkontinuität.

Schmidt: Was die Kontinuität des eigentlichen Index' angeht, da stimme ich zu. Was jedoch die Kursschwankungen innerhalb des Index angeht, glaube ich kaum, dass es im Interesse der Märkte liegen kann, wenn ein einzelner Wert mit derart großen Schwankungen heraussticht.

mm.de: Die Fast-Exit-Regel katapultierte Epcos seinerzeit aus dem Dax und die Deutsche Börse rückte nach. Jetzt lagen die Verhältnisse ähnlich. Hat die Deutsche Börse nicht auch vor diesem Hintergrund eine problematische Entscheidung getroffen?

Schmidt: Es stellt sich in der Tat die Frage, ob die Börse hier mit unterschiedlichen Maßstäben arbeitet. Die Flexibilität des Regelwerks beschränkt sich darauf, dass die Deutsche Börse im Ergebnis entscheidet. Seinerzeit ging es im Sinne der Börse recht schnell, bei anderen potenziellen Nachrücker-Kandidaten lässt sie sich aber viel Zeit. Das kann man der Börse sehr wohl vorwerfen.

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