Frankfurt am Main - Der Dax
beendete den Xetra-Handel mit einem Plus von 1,0 Prozent und verabschiedete sich bei 7661 Zählern ins Wochenende. Der MDax
legte 0,8 Prozent zu, der TecDax kletterte um 1,1 Prozent.
Am Vormittag war der Index zeitweise noch deutlich gestiegen. "Die EU-Kommission hat die positive Wirkung des Ifo-Index etwas neutralisiert", sagte ein Händler. "Das hat die Schuldenkrise noch einmal mehr in den Vordergrund gerückt, und damit denkt man auch sofort wieder an die Unsicherheiten wegen der anstehenden Wahl in Italien."
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar den vierten Monat in Folge aufgehellt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 107,4 Punkte und damit stärker als von Experten vorhergesagt. "Das ist ein sehr positives Signal", sagte Kapitalmarktanalyst Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co.
Volkswagen mit verhaltenem Ausblick - Aktie bricht ein
Für einen deutlichen Dämpfer sorgte im späten Handel die Volkswagen-Vorzugsaktie. Nach einem spektakulären Rekordgewinn von fast 22 Milliarden Euro schlägt Europas größter Autobauer VW für das laufende Jahr leise Töne an: 2013 erwarten die Wolfsburger Stillstand beim operativen Ergebnis. "Auch wir können uns dem harten Wettbewerb und der tiefgreifenden Krise in wichtigen europäischen Märkten nicht ganz entziehen", sagte Konzernchef Martin Winterkorn.
Zwar legte der Konzern 2012 entgegen den eigenen Prognosen beim operativen Kerngeschäft leicht zu. Doch der EBIT-Anstieg auf 11,5 Milliarden Euro konnte angesichts des vorsichtigen Ausblicks an der Börse nicht überzeugen: Die Vorzugs-Aktie von Volkswagen
sackte nach der Bekanntgabe der Zahlen am Nachmittag kräftig ab und fiel erstmals seit Dezember unter die Marke von 170 Euro. Aus dem Handel gingen die Titel schließlich mit einem kräftigen Abschlag von knapp 7 Prozent und waren damit schwächster Dax-Wert.
Finanzwerte leicht erholt
Zu den Gewinnern gehörten vor dem Wochenende die Finanzwerte und insbesondere die Versicherungstitel: Allianz
und Munich RE
verteuerten sich um jeweils mehr als 2 Prozent, während die Aktien der Deutschen Bank um knapp zwei Prozent zulegten. Dagegen tanzten die Papiere der Commerzbank
mit einem Minus von über einem Prozent aus der Reihe. Hier belastete eine Abstufung.
Kurssprünge bei Fuchs Petroclub und Air Berlin
Im MDax bescherten die Eckdaten für das Vorjahr der Aktie von Fuchs Petrolub mit einem Plus von fast 6 Prozent den Sprung an die Index-Spitze. Der Schmierstoffhersteller peilt nach dem vierten Rekordjahr in Folge auch 2013 Bestmarken bei Umsatz und Ergebnis vor Zinsen und Steuern an.
Die Aktien von Air Berlin sprangen nach Zahlen im SDax
um gut achteinhalb Prozent hoch. Nach vier Verlustjahren hatte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft 2012 wieder einen Gewinn erzielt.
"Auf den ersten Blick sehen die Zahlen von Air Berlin
besser aus als erwartet", sagte ein Händler. "Aber jeder, der sich damit beschäftigt, erkennt, dass der Gewinn nur durch buchungstechnische Kniffe ausgewiesen werden konnte. Ich gehe davon aus, dass der Aktienkurs sehr schnell wieder fällt." Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft schaffte die Rückkehr in die schwarzen Zahlen nur, weil sie ihr Vielfliegerprogramm an den Großaktionär Etihad verkauft hat.
Nervosität vor der Wahl in Italien
Größter Unsicherheitsfaktor für den Markt blieb die am Sonntag und Montag anstehende Parlamentswahl in Italien. Investoren fürchten, dass das hoch verschuldete südeuropäische Land im Falle eines Wahlsiegs von Silvio Berlusconi von seinem Sparkurs abrücken und sich die Euro-Krise damit wieder verschärfen könnte. Der umstrittene Politiker hat bereits angekündigt, unter dem scheidenden Ministerpräsidenten Mario Monti eingeführte Reformen rückgängig machen zu wollen.
Am Freitagnachmittag lag der italienische Leitindex knapp im Plus, nachdem er am Vortag um 3 Prozent abgerutscht war. "Wir gehen davon aus, dass - wer immer auch die Wahl in Italien gewinnt - er nicht völlig unverantwortlich agieren wird", schrieb der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, in einem Kommentar. "Nach jahrelanger Euro-Krise sollten sich alle italienischen Politiker dessen bewusst sein, dass die Märkte jegliche drastische Abweichung vom Pfad der Tugend abstrafen werden." Rom könne es sich sogar leisten, eine Zeitlang ziemlich untätig zu sein, da Mario Monti die wichtigsten Weichen gestellt habe.
Euro sinkt nach schwachen EZB-Rückflüssen
Der Euro
ist von einem unerwartet schwachen Rückfluss an EZB-Notkrediten belastet worden. Die Rückzahlungen an Notkrediten aus dem zweiten Dreijahrestender von Februar 2012 fielen mit 61,1 Milliarden Euro nur etwa halb so hoch aus wie erwartet. Hohe Rückflüsse gelten als Zeichen der Entspannung des nach wie vor angeschlagenen Bankensektors.
Moderate Kursgewinne bei deutschen Staatsanleihen
Die deutschen Staatsanleihen haben moderate Kursgewinne verzeichnet. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg um 0,06 Prozent auf 143 Punkte. Der Kontrakt kann damit an die starken Gewinne vom Vortag anknüpfen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stand bei 1,58 Prozent.
Ölpreise steigen leicht
Die Ölpreise haben nach kräftigen Verlusten in den vergangenen Handelstagen zu einer leichten Erholung angesetzt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent
zur April-Lieferung kostete am frühen Nachmittag 114,34 US-Dollar. Das waren 0,81 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ebenfalls zur April-Auslieferung stieg um 28 Cent auf 93,12 Dollar.
mahi/rtr/dpa-afx
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