Frankfurt am Main - Der Atomstreit des Westens mit dem Iran hat am Mittwoch die Ölpreise hochgetrieben. Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl der Sorte WTI kletterten um je knapp ein Prozent auf 118,16 beziehungsweise 101,65 Dollar je Fass (159 Liter).
"Ich halte es nicht für realistisch zu erwarten, dass die Risiken im Iran verschwinden werden", erklärte Jeremy Friesen, Rohstoffstratege bei Societe Generale. Der Iran ist der zweitgrößte Ölförderer im Nahen Osten. Die EU hat einen Einfuhrstopp für iranisches Öl ab 1. Juli verhängt.
Neben der Unsicherheit über die Entwicklung im Iran treibe der Streit ehemaliger Bürgerkriegsgegner im Sudan den Ölpreis. Der Sudan hatte am Vortag 2,4 Millionen Barrel südsudanesischen Öls konfisziert. Das meiste Rohöl aus dem Sudan und dem Südsudan wird nach China exportiert.
Für weitere Verunsicherung sorgten die anhaltenden Spannungen in Syrien. In der seit Tagen von Regierungstruppen belagerten Stadt Homs ist nach einem Angriff auf eine Ölpipeline ein Großbrand ausgebrochen. Nach Angaben von Aktivisten wurde die Pipeline im umkämpften Stadtviertel Baba Amr am Mittwochmorgen getroffen.
Weniger Sorge vor Eskalation der Griechenland-Krise
Im Internet veröffentlichte Videos zeigten dicken schwarzen Rauch, der offenbar aus einer Wohngegend aufstieg. In Homs liegen zwei Ölraffinerien. In den vergangenen Monaten ist es in Syrien immer wieder zu Anschlägen auf Öl- und Gaspipelines gekommen.
Gleichzeitig beflügelten die Rettungsbemühungen für Griechenland den Ölpreis
. Die Politiker der Euro-Zone hätten den Druck auf das von der Staatspleite bedrohte Griechenland erhöht und damit die Sorge vor einer Eskalation der Schuldenkrise gedämpft, hieß es von Händlern.
Die Stimmung an den Ölmärkten bleibe weiterhin "relativ gut", da sich die Politik in der Eurozone weiter in die richtige Richtung bewege, sagte ein Rohstoffexperte. Zuletzt hatten die Finanzminister der Euro-Zone ein Treffen zum Griechenland-Hilfsprogramm überraschend abgesagt und damit den Druck auf die Parteien in dem von der Staatspleite bedrohten Euro-Land weiter erhöht. Die internationalen Geldgeber sehen ihre Bedingungen für weitere Hilfszahlungen an Athen noch nicht erfüllt.
Autofahrer müssen an Tankstellen in Deutschland bereits mehr bezahlen. Vor allem die Preise für Diesel kletterten in den vergangenen Tagen deutlich nach oben, wie der ADAC am Mittwoch in München mitteilte. Demnach kostet derzeit ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 1,487 Euro, 3,5 Cent mehr als noch vor einer Woche. Für einen Liter Super E10 sind im Schnitt derzeit 1,583 Euro fällig, ein Plus von 1,8 Cent.
dpa/rtr/dpa
© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH