Von Arne Gottschalck
Hamburg - Sie sind wieder da, in aller Stille. Sie heißen Deco 2011-1 oder Driver Espana 1. Besser bekannt sind sie unter dem Namen "verbriefte Forderungen" - dem Schmierstoff der Finanzkrise. Denn diese Papiere waren es, die Kredite für US-amerikanische Schrottimmobilien bündelten, als Anleihen verbrieften und in verschiedenen Tranchen, nach Risiko sortiert, von Investoren gehandelt wurden. Und letztendlich auch zum Kollaps der Weltwirtschaft führten. Nun sind sie wieder da.
"Es werden in der Tat wieder neue Verbriefungen emittiert", beobachtet Thomas Heidorn, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. "Sie stammen vor allem aus der Automobilindustrie und von erstklassigen Immobilien zum Beispiel aus Holland." Das Niveau aus den Zeiten vor der Krise ist allerdings noch nicht erreicht. So zeigt eine Studie der Association for Financial Markets in Europe (Afme), dass im ersten Quartal 2010 in Europa Forderungen im Wert von 75,5 Milliarden Euro verbrieft wurden, ein Jahr später waren es bereits 114,6 Milliarden.
Das gleiche Bild zeigt sich beim Vergleich des zweiten Quartals der Jahre 2010 und 2011. Für 2010 wurden 32,2 Milliarden notiert, 67,1 Milliarden waren es im vergangenen Jahr. Im dritten Quartal allerdings kam der Rücksetzer - von 2010 auf 2011 brach der Markt von 111,5 Milliarden auf 52,6 Milliarden ein. Der Grund dafür liegt in der allgemeinen Unsicherheit, ergibt eine Umfrage der Unternehmensberatung Bearingpoint. Trotz des Rücksetzers steht unter dem Strich ein sachter Aufbruch. Und den beobachten die Experten ganz genau.
Martin Bisping zum Beispiel, der bei der Swiss Re die Verbriefung der "Nicht-Lebens-Risiken" verantwortet. Das sind vor allem Naturkatastrophen. Der Markt sähe einem Jahr des Wachstums entgegen, schreibt er in einer Präsentation. Freilich sind es vor allem die speziellen Verbriefungen von Katastrophen, die so genannten Cat-Bonds, die Bisping interessieren. Doch das allgemeine Feld der verbrieften Forderungen ist viel größer. Immobilienkredite sind verbrieft worden, Forderungen von Kreditkarten - der Kreativität der Finanzdesigner sind keine Grenzen gesetzt. Und sie rührt sich jetzt wieder, diese Kreativität.
"Die Neuemissionstätigkeit nimmt in Teilbereichen des europäischen ABS-Marktes seit Jahresbeginn wieder zu, nachdem diese ausgelöst durch die Verschärfung der Staatsschuldenkrise im Sommer des vergangenen Jahres erneut für einige Monate weitgehend zum Erliegen gekommen ist", sagt Bernhard Zahel, der bei der Fondsgesellschaft DWS auf strukturierte Produkte spezialisiert ist. Es wird also wieder verbrieft, wenn auch nur in den genannten Teilbereichen, der Verbriefung von Autokrediten und von Autoleasingforderungen in Deutschland und von niederländischen und englischen Wohnimmobilienkrediten hoher Qualität.
"Dabei werden in fast allen Fällen werden zur Zeit ausschließlich die erstrangigen Tranchen solcher ABS-Strukturen verkauft. Die erhalten meist trotz der in den vergangenen Jahren verschärften Kriterien der Ratingagenturen die jeweilige Höchstbonitätsnote, AAA beziehungsweise Aaa", sagt der Frankfurter Professor Heidorn.
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