Donnerstag, 23. Februar 2012, 06:44 Uhr

manager magazin



19.01.2012
 

Honorarberatung

"Wir sollten jetzt loslegen"

Von Lutz Reiche

Rat gegen Geld: In der deutschen Finanzwirtschaft führt die unabhängige Honorarberatung ein Nischendasein, andere Länder sind da weiter. Die SPD will das ändern und zugleich für mehr Verbraucherschutz sorgen
Corbis

Rat gegen Geld: In der deutschen Finanzwirtschaft führt die unabhängige Honorarberatung ein Nischendasein, andere Länder sind da weiter. Die SPD will das ändern und zugleich für mehr Verbraucherschutz sorgen

2. Teil: SPD erwartet Stundensätze von bis zu 200 Euro

mm: Stichwort Nettotarife: Die SPD will Assekuranz und Banken gesetzlich verpflichten, diese von Provisionen und anderen Kosten befreiten Tarife flächendeckend und für jedes Finanzprodukt anzubieten. Das wäre ein erheblicher Eingriff in die unternehmerische Freiheit.

Tack: Wie gesagt, ohne ein ausreichendes Angebot von Produkten zu Nettotarifen wird Honorarberatung in Deutschland keine Zukunft haben. Und die europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid wird diese Nettotarife ohnehin einfordern. Die Niederlande und Großbritannien haben dies bereits umgesetzt. Mehr noch: Beide Länder wollen Provisionen in der Finanzberatung künftig ganz verbieten.

mm: Will die SPD auch vorschreiben, wie viel Geld die Honorarberater für Ihre Dienstleistung nehmen dürfen?

Tack: Gegenwärtig scheint uns eine Vergütung der Honorarberater auf Stundenbasis die sinnvollste Ausgestaltung. Wir erwarten hier Stundensätze von 150 bis 200 Euro, lehnen Vorgaben dazu aber ab. Das sollen Verbraucher und Berater untereinander aushandeln.

mm: Das Eckpunktepapier zur Honorarberatung hatte Frau Aigner vor gut sieben Monaten vorgelegt. Seitdem ist nichts passiert. Woran liegt das?

Tack: Die Bundesregierung will offensichtlich die Umsetzung der Mifid abwarten. Diese Richtlinie wird unter anderem den Anlegerschutz in Europa über neue Verhaltens- und Transparenzpflichten regeln, aber eben auch die unabhängige, provisionsfreie Honorarberatung verwirklichen. Die SPD sieht sich mit ihrem heutigen Antrag im Bundestag vollauf im Sinne der Mifid. Deshalb sollten wir schon jetzt loslegen, Ernst machen mit dem Anleger- und Verbraucherschutz und nicht einen jahrelangen Ratifizierungsprozess abwarten.

mm: Hat womöglich auch der Konflikt mit dem Finanzministerium die Sache hinausgezögert?

Tack: Möglich ist das. Kritische Anmerkungen Aigners zu der geteilten Aufsicht von Gewerbebehörden und Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) über Versicherungs- und Darlehensberatern auf der einen und Anlageberatern auf der anderen Seite, wird der Bundesfinanzminister aber sicherlich so nicht umsetzen.

mm: Sie sehen das Thema also künftig bei Finanzminister Schäuble angesiedelt?

Tack: Die CDU wird heute beantragen, dass Frau Aigner die Regelung der Honorarberatung in Deutschland entzogen wird und künftig das Finanzministerium dafür verantwortlich zeichnet.

mm: Wo sieht die SPD das Thema Honorarberatung besser aufgehoben - beim Finanzminister oder im Verbraucherschutzministerium?

Tack: Wir wollen, dass die Honorarberatung in Deutschland endlich per Gesetz geregelt wird. Die Frage der Zuständigkeit ist aus unserer Sicht zweitrangig. Um es an dieser Stelle aber deutlich zu sagen: Fachlich ist nur die Bafin in der Lage, die Honorarberater adäquat zu beaufsichtigen. Die Kesselflickerei der letzten Jahre, wonach Teile des Finanzmarktes der Aufsicht der Gewerbeämter unterliegen, muss ein Ende haben.

mm: Für wann erwarten Sie ein Honorarberater-Gesetz?

Tack: Unter dieser Bundesregierung und in dieser Legislaturperiode wird es wohl keine gesetzliche Regelung mehr geben.

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Deutscher Bundestag / Lichtblick/Achim Melde
Kerstin Tack ist SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Ausschusses für Verbraucherschutz. Am Donnerstag stellte sie das SPD-Konzept zur Honorarberatung im Bundestag vor









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