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11.11.2011
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Hedgefondsmanager Pierre Lagrange

"Italien hat sich selbst den Wölfen vorgeworfen"

Von Arne Gottschalck

Premier Berlusconi: Noch der Herr über einen trudelnden Staat
REUTERS

Premier Berlusconi: Noch der Herr über einen trudelnden Staat

Pierre Lagrange ist einer der bekanntesten Hedgefondsmanager der Welt. Im Interview mit manager magazin Online sagt er, warum nicht die Börsenleute für Italiens Probleme schuldig gesprochen werden sollten - und warnt zugleich vor Selbstüberschätzung der Investoren.

mm: Herr Lagrange, die Börsen fahren Achterbahn. Für einen Hedgefondsmanager, der dank Long-Short-Strategien sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen profitieren kann, nicht das schlechteste Umfeld. Aber wie lange werden die Kursschwankungen noch andauern?

Lagrange: Die Volatilität ist Ausdruck einer Unsicherheit. Die wird voraussichtlich noch eine ganze Weile andauern.

mm: Weil immer neue Unsicherheiten auftreten?

Lagrange: Ja, im Sommer zum Beispiel hat sich Italien durch seine schlechte Kommunikation selbst den Wölfen vorgeworfen.

mm: Aber die Europäische Union ( EU) hat doch gehandelt?

Lagrange: Das ist ja erst einmal auch gut. Es gibt jedoch noch viel zu tun. Die Frage ist doch, wie lange so eine Stabilität hält. Es ist ja auch gut, wenn sich bei den Banken die Aktienseite beruhigt. Aber viel wichtiger ist die Anleiheseite. Denn das Verhältnis zwischen Aktie und Anleihe liegt bei eins zu zehn. Insofern muss auch in diesem Bereich Stabilität geschaffen werden. Für Griechenland hat sich zum Beispiel durch die Beschlüsse der EU nichts geändert. Wir haben es einfach schon zu oft gesehen, dass zuerst alles beruhigt schien, dann aber die Volatilität wieder anstieg.

mm: Long oder short - was dominiert bei Ihrem Hedgefonds derzeit?

Lagrange: Das ist gar nicht so einfach zu sagen, wir versuchen die Positionierung neutral zu halten.

mm: Das müssen Sie uns etwas näher erklären.

Lagrange: Wir haben zwölf Teams, welche spezialisiert sind auf die entsprechenden Branchen. Eines der Teams ist zuständig für Konsumgüter, ein anderes zum Beispiel für Energietitel. Jedes dieser Expertenteams verfolgt wiederum 40 bis 60 Unternehmen.

mm: Warum?

Lagrange: Niemand ist in allen Bereichen gut. Es gibt Menschen, die haben ein Händchen für Energieaktien, andere für Timing. Es gibt ja auch verschiedene Märkte, liquiditätsgetriebene beispielsweise und solche, die von der Psychologie dominiert werden.

mm: Und was suchen diese Gruppen: unter- oder überbewertete Aktien?

Lagrange: Ja, wir evaluieren und wählen Titel, von welchen wir ausgehen, dass diese unterbewertet sind und sie der Markt honorieren wird. Ein Jahresergebnis oder Quartalsergebnis ist dabei nicht das Wichtigste. Lassen Sie es mich anhand eines Beispiels erklären. Bei Energieunternehmen sind es zum Beispiel gute Rohstofffunde. Das zu beurteilen ist gar nicht einfach, Sie müssen zum Beispiel die geologischen Daten beurteilen können. Denn nicht nur die Menge des gefundenen Öls zählt, sondern auch dessen Schwefelgehalt und so weiter. Deswegen sind wir zum Beispiel bei Tullow Oil "long". Das Unternehmen hat ein sehr gutes Management und bohrt an aussichtsreichen Orten.

mm: Und was wird der Markt honorieren?

Lagrange: Früher gab es Geld gegen Öl. Das Öl kam aus den klassischen ölproduzierenden Ländern, das Geld aus dem Westen. Heute haben diese Länder genug Geld, sie brauchen es nicht. Aber sie suchen die Technologie. Dort kann man als Investor einhaken, zum Beispiel bei Oil-Servicing-Firmen. Diese Entwicklung wird der Markt honorieren. Das gleiche passiert in der Computerbranche, Tablets und Smartphones werden den PC-Markt langfristig töten - allerdings geht es in diesem Fall um eine strukturelle Veränderung.

mm: Das macht das Research nicht gerade einfacher, oder?

Lagrange: Nein, wir müssen den Finger genau am Puls des Marktes haben. Und das schafft man nicht allein, deswegen sind im Fonds ja zwölf Teams dabei. Die müssen sich dann auch um Fragen wie Regularien kümmern, die immer wichtiger werden. Oder eine Einschätzung zu potentiellen Käufern eines Unternehmens abgeben, oder einer Ahnung entwickeln, wer diese Käufer sein könnten.

mm: Die finden sich doch üblicherweise über die Börse?

Lagrange: Der Käufer ist ja nicht nebenan, der kann überall sein. Insofern ist Liquidität sehr wichtig. Wir müssen immer in der Lage sein, unsere Positionen sehr schnell liquidieren zu können.

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Zur Person

Pierre Lagrange ist Hedgefondsmanager und Mitgründer von GLG Partners. Das Unternehmen wurde 2010 an MAN Investments verkauft. Lagrange verantwortet mehrere Portfolios, unter anderem die GLG European Long-Short-Strategie. Diese seit zehn Jahren praktizierte Strategie wird inzwischen auch unter dem Namen GLG European Equity Alternative als UCITS-Fonds, also für jedermann, angeboten.









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