Frankfurt am Main - Der Dax
gab bis Handelsschluss auf Xetra um 0,6 Prozent auf 5928 Zähler nach. Am frühen Nachmittag hatte er zeitweise über der Marke von 6000 Zählern notiert. Doch mit der schwachen Tendenz im frühen Handel an der Wall Street gab der deutsche Leitindex seine Gewinne wieder ab: Der US-Leitindex Dow Jones
notierte am frühen Abend 0,4 Prozent im Minus.
Neben Griechenland steht möglicherweise auch das Euro-Sorgenkind Italien vor einem Regierungswechsel. Dies habe die Stimmung an den Märkten etwas gehoben, meinte ein Börsianer. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte zuvor Gerüchte über einen Rücktritt schon an diesem Montag erneut zurückgewiesen.
Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Bayer
und RWE
, die jeweils um rund 2 Prozent zulegten.
Griechenland: Papademos als neuer Regierungschef erwartet
"Die Anleger warten auf die Vorstellung der neuen Regierung in Griechenland und halten sich erst einmal mit Engagements zurück", sagte Kapitalmarktexperte Fidel Helmer von der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser. Medieninformationen zufolge soll der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, die geplante Übergangsregierung führen.
Italien: Risikoprämien steigen, Berlusconi gerät immer stärker unter Druck
Allerdings rücke nach Griechenland nun immer mehr Italien in den Mittelpunkt des Interesses, fuhr Helmer fort. Das hochverschuldete Euro-Land gerät an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Zu Wochenbeginn war die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen erstmals über die Marke von 6,5 Prozent gestiegen.
Im Internet mehren sich unterdessen auf den Seiten italienischer Medien wie beispielsweise bei "Il Foglio" Berichte über einen baldigen Rücktritt Berlusconis. Ein Händler sagte: "Berlusconi hat seine politische Glaubwürdigkeit schon lange verloren und Italien braucht zur Sanierung eine stabile Regierung, die Maßnahmen schnell umsetzen kann."
Berlusconi-Vertrauter: "Eine Frage von Stunden"
In Italien steht am morgigen Dienstag eine Haushaltsabstimmung an, die zum Sturz der Regierung führen könnte. Die Gerüchte um einen baldigen Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hielten sich im Vorfeld hartnäckig.
"Es ist eine Frage von Stunden", erklärte der frühere Minister Giuliano Ferrara, der nun Herausgeber der Zeitung "Foglio" ist und als enger Vertrauter Berlusconis gilt, am Montag auf seiner Internetseite. Ähnlich äußerte sich Franco Bechis, Vize-Direktor der Berlusconi-freundlich eingestellten Zeitung "Libero", über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Der Ministerpräsident werde noch in der Nacht oder am Dienstagmorgen zurücktreten.
Banken verlieren, Bayer gewinnt
Zu den größten Verlierern zählten wieder einmal italienische Banken. Die Regierung in Rom ist hoch verschuldet, und immer mehr Investoren fürchten, dass auch Italien in den Abwärtsstrudel der Schuldenkrise gerissen werden könnte.
Am Dienstag stimmt das Parlament über einen neuen Haushaltsplan ab. Vereinbart wurde bereits, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) künftig vierteljährlich die italienischen Sparerfolge überprüfen wird. "Interessant wird, welche Leichen der IWF noch im Keller findet, wenn er einmal in die Bücher schaut", merkte Rahn an. Die Angst vor einem Zahlungsausfall der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ließ die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen bis auf 6,673 Prozent und damit den höchsten Stand seit 14 Jahren steigen.
Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Bayer
, die sich um 2,7 Prozent verteuerten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte am Freitag grünes Licht für den Verkauf des Schlaganfallmittels Xarelto in den USA gegeben.
Größter Verlierer im Dax waren die Titel der Handelskette Metro
mit einem Minus von rund 4 Prozent. Händler verwiesen auf einen skeptischen Kommentar der Credit Suisse. Deren Analysten bescheinigten Metro zwar langfristig weiter "gute Karten", auf kurze Sicht dürften aber die trüben wirtschaftlichen Aussichten belasten.
Euro gibt nach, Ölpreis legt zu
Der Euro
hat zu Wochenbeginn nicht von dem vorläufigen Ende des politischen Tauziehens in Griechenland profitieren können. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,3770 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Freitagabend. Ein Dollar war zuletzt 0,7262 Euro wert.
Der leichte Hoffnungsschimmer in der Griechenland-Krise hat die Ölpreise zu Wochenbeginn beflügelt. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 113,03 US-Dollar. Das waren 1,06 Dollar mehr als zum Wochenausklang. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 21 Cent auf 94,47 Dollar.
la/dpa-afx
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