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17.10.2011

Wirtschaftskriminalität

Die Korruptionsjäger von München I

Von Gisela Maria Freisinger und Thomas Katzensteiner

BayernLB, Siemens, Ferrostaal: Wie die Strafverfolger vorgehen
Fotos
DPA

Siemens, MAN, Ferrostaal, BayernLB - die Staatsanwaltschaft München I hat Furore gemacht. In jüngster Zeit jedoch nehmen die Fehlschläge zu, und die Kritik an ihr wächst.

Hamburg - Wer Manfred Nötzel (61) aufsuchen muss, nimmt den Lift ins oberste Stockwerk, passiert lange schmale Gänge, die trotz sonnengelben Anstrichs für Beklemmung sorgen. Hinter Tür Nr. 718 schließlich arbeitet jener Mann, der den Ruf genießt, der schärfste aller Spürhunde zu sein.

Grau ist der Teppichboden unter seinen Füßen, schmucklos die Resopaloptik seines Schreibtisches. Beeindruckend aber der Blick aus seiner Amtsstube auf die Glockentürme der Kirche des Heiligen Benno, des Spezialheiligen der Bayern.

Doch Topmanager, die hier sitzen oder ihren Anwalt schicken, wissen auch ohne das regelmäßige Geläut, was die Stunde schlägt: Anschuldigungen wegen eines Steuerdelikts, Betrugs und Untreue oder auch Korruption stehen dann im Raum; wahlweise das eine, das andere oder gleich alles zusammen.

MAN Chart zeigen und Ferrostaal heißen derzeit die prominentesten Fälle auf Unternehmensebene; Mit Individualanklagen sind die Ex-Vorstände der BayernLB konfrontiert, darunter, besonders publikumsträchtig, Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky (53), der durch den Formel-1-Verkauf auf mysteriöse Weise sehr reich wurde und sich damit selbst aus der Kurve katapultierte.

Das schwarze Herz der Wirtschaftskriminalität

Wie kein Zweiter weiß Nötzel, der Chefankläger der Staatsanwaltschaft München I, um das schwarze Herz der Wirtschaftskriminalität. Seine Behörde ist nicht nur bekannt und gefürchtet im ganzen Land, auch über die Grenzen hinaus achtet man sie.

Wenn etwa die OECD die Korruptionsbekämpfung evaluiert, schaut sie auch in München vorbei. Als eine der ersten Staatsanwaltschaften überhaupt haben die Münchener eine Abteilung zur Bekämpfung der Korruption aufgebaut. Heute gehört sie zu den größten im Land .

Als 2006 das schier unüberschaubare System der schwarzen Kassen bei Siemens Chart zeigen das Land erschütterte, hatten sich die Staatsanwälte längst mit Know-how vollgesogen. Anfang der 90er schon waren sie gegen das Münchener Elektrokartell vorgegangen, das sich, mit angeführt von Siemens-Managern, Aufträge durch Korruption ergaunerte.

Nötzel erläutert mit seiner wohlig warmen Stimme: "Wir sind die erste Staatsanwaltschaft in Deutschland, die sich eine Struktur geschaffen hat, um einen Fall wie Siemens weitestgehend zu lösen, gleichzeitig die Landesbank zu durchleuchten und den Ex-Vorstand anzuklagen, die Hypo Real Estate Chart zeigen zu untersuchen und nebenher noch große öffentlich bekannte Affären zu bearbeiten."

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