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11.08.2011
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Energieexpertin Claudia Kemfert

Atomausstieg schafft Arbeitsplätze

Von Arne Gottschalck

Weg mit der Atomkraft: So will es die deutsche Regierung. Doch welche Folgen hat dieser Schritt für die Wirtschaft?
dapd

Weg mit der Atomkraft: So will es die deutsche Regierung. Doch welche Folgen hat dieser Schritt für die Wirtschaft?

Der deutsche Atomausstieg muss die deutsche Wirtschaft nicht schwächen. Im Gegenteil, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

mm: Professor Kemfert, inwieweit schwächt der Atomausstieg eigentlich die deutsche Wirtschaft?

Kemfert: Der Atomausstieg muss die deutsche Wirtschaft nicht schwächen. Es werden Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich getätigt werden. Das schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland, deutsche Unternehmen können profitieren. Die Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt mittlerweile knapp 400.000 Personen, in den kommenden 10 Jahren können noch 200.000 hinzukommen. Wenn man im Rahmen der "grünen Technologie" auch Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität oder auch die klassischem Umweltschutztechnologien wie Wasseraufbereitung und Müllverwertung hinzunimmt, können bedeutend mehr Arbeitsplätze entstehen. Und viele Sektoren werden neben der Energie und Infrastrukturbranche profitieren. Nehmen Sie als Beispiel die Chemiebranche: sie stellt wertvolle Ersatzstoffe zum Öl her, zudem Dämmmaterialien oder Techniken und Stoffe für den effizienten Fahrzeugbau. Eine Schlüsselbranche für die nachhaltige Energiewende.

mm: Bedeutet Energiepolitik auch immer die Suche nach Alternativen - und nach Quellen?

Kemfert: Öl wird knapper und teurer, wir müssen so rasch wie möglich Alternativen zum Öl erforschen und an den Markt bringen. Neben alternativen Antriebsstoffen und -techniken ist ebenso die Gebäudeenergie von Bedeutung, denn dort kann viel Öl eingespart werden. Zum einen muss also möglichst effizient mit Energie umgegangen werden, zum anderen benötigen wir dringend Alternativen.

mm: Fehlt Europa ein geeintes Auftreten wie das der Chinesen, die auch ihre Energiefragen durch Afrika-Geschäfte sichern?

Kemfert: Europa macht zwei Dinge richtig: einerseits konsequent das Energiesparen voranbringen und andererseits sich konkrete Ziele zur Abkehr fossiler Energien vorzunehmen. Wichtig ist, dass die einzelnen EU-Länder sowohl die Energiesparmaßnahmen als auch die Ziele nachhaltiger Mobilität und Ausbau der erneuerbarer Energien umzusetzen. Daran hapert es derzeit noch.

mm: Ich habe einmal gelesen, solange der Ölpreis sich in einem Korridor von gut 80 bis 120 Dollar je Barrel bewegt, sei alles in bester Ordnung. Unter 80 Dollar lohne der Abbau nicht so recht, über 120 drohe es die Konjunktur abzuwürgen. Würden Sie das unterschreiben?

Kemfert: Die relativ leicht zu erschließenden Ölfelder wie beispielsweise in Saudi Arabien gehen ja mehr und mehr zur Neige und müssen ersetzt werden durch teurere Ölerschließungen. Tiefseebohrungen oder auch andere unkonventionelle Ölförderungen wie Teersande sind deutlich kapitalintensiver als herkömmliche Ölförderungen und lohnen sich in der Tat erst bei einem Ölpreis von über 80 Dollar pro Barrel. Leider benötigen wir auch dieses Öl, da wir noch Jahrzehnte brauchen, um uns wirklich vom Öl zu verabschieden. Ob die Konjunktur bei einem hohen Ölpreis abgewürgt wird, hängt davon ab, wie energieintensiv ein Land ist. Die USA beispielsweise, die pro Kopf doppelt so viel Energie verbrauchen als die EU, sind von einem Ölpreisanstieg dieser Größenordnung wirtschaftlich viel stärker betroffen. Eine konkrete Preisschwelle, bei der automatisch das Wirtschaftsgeschehen zum Erliegen kommt, ist empirisch nicht belegt.

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Zur Person

Sabine Braun

Claudia Kemfert ... ist unter anderem Expertin für Energie beim DIW









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