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17.02.2011
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Drohendes Fondsdebakel

Anleger bangen um 175 Millionen Dollar

Von Christoph Rottwilm

Streitgegner: Die US-Bank Wells Fargo beharrt auf Rückzahlung eines Millionenkredits
AFP

Streitgegner: Die US-Bank Wells Fargo beharrt auf Rückzahlung eines Millionenkredits

Am Beteiligungsmarkt droht erneut ein größeres Debakel. 8000 Anleger in Deutschland blicken seit Wochen gebannt auf die USA, wo das Berliner Emissionshaus BAC versucht, 175 Millionen Dollar Anlegergelder zu retten. Verhandlungen mit der beteiligten US-Bank Wells Fargo scheiterten am Mittwoch - jetzt geht die Sache vor Gericht.

Hamburg - Bis zuletzt hatten die Fondsmacher aus Deutschland auf ein Einlenken ihres US-Partners gehofft. Einen Kredit über 225 Millionen Dollar hatte die US-Bank Wachovia dem Berliner Fondshaus Berlin Atlantic Capital (BAC) einst gewährt, um damit ein Portfolio von Lebensversicherungsverträgen zu finanzieren. Doch die US-Bank Wells Fargo, die Wachovia inzwischen übernommen hat, drängt auf die rasche Rückzahlung des Darlehens. Am Mittwoch sind die Verhandlungen über den umstrittenen Kredit endgültig gescheitert.

Damit geht das Bangen von 8000 deutschen Anlegern weiter. Sie hatten das Versicherungsportfolio mit insgesamt 175 Millionen Dollar mitfinanziert. Sollte Wells Fargo, die Policen nun schnell verkaufen, dürfte von den Anlegergeldern nicht viel übrig bleiben. Die Möglichkeit bestünde, denn die Policen dienen der Bank als Sicherheit für den Kredit. Laut BAC besteht aber auch die Gefahr, dass die Bank das Portfolio einfach übernimmt und weiterlaufen lässt. In dem Fall wäre der Verlust für die Anleger noch größer - sie würden komplett leer ausgehen.

Die Hoffnung der Investoren ruhen daher nun auf dem United States Bankruptcy Court in Wilmington, Delaware. Das Gericht muss entscheiden, ob dem von BAC aufgelegten Investmentvehikel Life Trust Asset Pool (LTAP), in dem sich das Policenportfolio befindet, Gläubigerschutz gewährt wird.

Fataler Mix aus negativer Marktentwicklung und schlechtem Management

Zum Hintergrund: Bei dem Streit geht es um Investitionen auf dem amerikanischen Zweitmarkt für Lebensversicherungen. BAC hatte vor Jahren mehrere Fonds aufgelegt, über die hiesige Anleger auf dem Markt jenseits des Atlantik investieren konnten. Das Prinzip: Die Fonds erwarben Risiko-Lebensversicherungspolicen von Versicherten und zahlten an deren Stelle die Prämien weiter. Ist der Kaufpreis richtig kalkuliert, kann bei einem solchen Geschäft am Ende, wenn der Fonds die Ablaufleistung kassiert, eine positive Rendite entstehen. Dazu muss der ursprüngliche Versicherte allerdings - makaber oder nicht - im richtigen Moment sterben.

Knapp ein Dutzend solcher geschlossener Fonds hat BAC hierzulande in den vergangenen Jahren platziert. Mehr als 8000 Anleger vertrauten dem Initiator rund 175 Millionen Dollar für Investitionen an. Die Anleger hofften auf eine ordentliche Rendite, wie vom Initiator avisiert - stattdessen müssen sie inzwischen befürchten, einen Großteil ihres Geldes nie wieder zu sehen.

Wie kam es dazu? Offenbar wurde den Anlegern ein fataler Mix aus negativer Marktentwicklung und schlechtem Management zum Verhängnis. Vor wenigen Jahren schmiedete die Führungsriege von BAC einen Plan: Sämtliche US-Versicherungspolicen, die die Beteiligungsgesellschaften des Hauses bereits zusammengekauft hatten, sollten gemeinsam in einen neuen Fonds überführt werden. Um das Paket auf kapitalmarktfähiges Format zu bringen, wollte man weitere Versicherungen hinzukaufen. Das gesamte Bündel sollte schließlich verbrieft und so an institutionelle Investoren weitergereicht werden.

Wells Fargo will mit Versicherungshandel nichts zu tun haben

Gesagt, getan: 2008 brachte BAC sämtliche Policen aus acht laufenden Lebensversicherungsfonds in eine eigens gegründete Gesellschaft ein, eben jenen LTAP. Zudem wurde bei der US-Bank Wachovia ein Kredit über 225 Millionen Dollar aufgenommen, zum Zwecke des weiteren Policenerwerbs. Nach drei Jahren, im Frühjahr 2011, wollte BAC die Transaktion abschließen - mit einem verbrieften Wertpapier auf US-Policen, das bei institutionellen Investoren platziert werden und bei den Kunden hierzulande die Kassen klingeln lassen sollte.

Inzwischen ist klar, dass daraus wohl nichts mehr wird. Schon kurz nach Vertragsabschluss wurde Wachovia von der US-Bank Wells Fargo übernommen. Und die neuen Herren hatten offenbar eine andere Sicht auf den Handel mit US-Versicherungspolicen, als die bisherigen Gesprächpartner von BAC bei Wachovia: Sie wollten damit nichts zu tun haben.

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