Ähnliches gilt für die Autoindustrie. Auch Hersteller wie Volkswagen
, Daimler
oder BMW
reagieren schon heute auf das Wachstum der Generation 50-Plus durch die Entwicklung altersgerechter Fahrzeuge. Stichwort VW Golf Plus, Stichwort Mercedes B-Klasse.
Und die Autobauer zählen noch aus einem anderen Grund nicht zu den Verlierern der demografischen Entwicklung hierzulande: Sie können ihr räumlich entfliehen.
Der Beleg dafür steht schon heute in den Bilanzen der Konzerne, in denen sich bereits ein großer Teil von Umsätzen aus Wachstumsmärkten wie China findet. "Es gibt Berufsgruppen, wie etwa Friseure und Fahrlehrer, die können mit ihrem Geschäft räumlich kaum auf demografische Veränderungen reagieren", erläutert Tobias Just, Chefanalyst bei DB Research. "Die großen Unternehmen heutzutage, zum Beispiel aus den Branchen Automobilbau, Maschinenbau und Elektrotechnik, sind jedoch weltweit aktiv. Für diese Konzerne ist das Thema Demografie eher ein Wachstumstreiber."
Eine ähnliche Argumentation verfolgt Guido Lingnau. Der Chef der Berliner Vermögensverwaltung Guliver orientiert sich bei seinen Investitionsentscheidungen seit mehr als zehn Jahren an demografischen Faktoren. Sein Fazit: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der demografischen Entwicklung eines Landes und dem Erfolg einzelner Branchen in diesem Land. Wohl aber ist eine Verknüpfung zwischen der Demografie und der Performance ganzer Volkswirtschaften festzustellen, so Lingnau.
"Je jünger die Arbeitnehmer sind, desto innovationsfreudiger sind sie"
Der Grund: Ausschlaggebend für die Gewinnentwicklung von Unternehmen ist nach Ansicht des Investmentexperten deren Altersstruktur. "Je jünger die Arbeitnehmer sind, desto innovationsfreudiger sind sie", sagt Lingnau. "Und Innovationen verbessern die Gewinnsituation in jedem Unternehmen, gleichgültig in welcher Branche es tätig ist."
Vor dem Hintergrund hat Lingnau die Alterstrukturen verschiedender Länder analysiert. Und er kommt - ähnlich wie WEF und BCG sowie zahlreiche andere Untersuchungen - zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Länder, in denen sich die Bevölkerung mehrheitlich auf den Ruhestand vorbereitet, erwirtschaften zurzeit noch 75 Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes. Dazu zählen viele große Wirtschaftsnationen wie die USA ebenso wie Schwellenland Nummer eins, China. Am dramatischsten ist die Situation nach Angaben des Fachmanns in Japan, wo viele Menschen bereits bis zum 70. Lebensjahr arbeiten und zunehmend an ihr Erspartes gehen.
Zu den jüngeren Ländern, in denen sich Lingnaus Theorie zufolge Investments derzeit noch lohnen, zählen dagegen Australien, Südafrika und Brasilien und Indien.
Und Deutschland? Wird auch von Lingnau in einem Atemzug mit den Wirtschaftsmächten USA und China genannt. Sein Urteil daher: Kein Aktieninvestment herzulande, lieber Staatsanleihen. Eine Ausnahme macht der Investmentfachmann allerdings. Er hat sich die Aktie eines bekannten Optikers ins Depot gelegt. Das Unternehmen verfügt über eine junge, dynamische Mitarbeiterstruktur, sagt er - und als Brillenhersteller müsste es per se von der hiesigen demografischen Entwicklung profitieren.
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