Auf jeden Fall sorgt sich China um seine eigene Lieferkette. Ein Forschungsbericht des US-Kongresses zitierte Schätzungen, "dass bis 2012 Chinas Bedarf die heimische Förderung überschreiten wird". Mit seinen hohen Wachstumsraten, die das Riesenreich zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht katapultiert haben, schießt der heimische Bedarf in die Höhe. "Es geht um unsere nationale, beziehungsweise industrielle Sicherheit", sagt der chinesische Experte Chen Jiazuo.
In der Vergangenheit habe es eine unkontrollierte Ausbeutung dieser Bodenschätze gegeben. Bergbauunternehmen hätten Verluste gemacht und nicht mehr in Forschung und Entwicklung investieren können. "Es ist ein teuflischer Kreislauf. Deswegen müssen wir dem Problem an die Wurzel gehen", sagt Chen Jiazuo. Es gehe aber nicht allein um Profite. Der Abbau verursache massive Umweltschäden. China habe bis heute nicht einmal eine Strategie für die optimale Nutzung seiner seltenen Erden gehabt, was sich jetzt ändern soll.
Ist das Riesenreich bei Eisenerz und anderen Bodenschätzen von Lieferungen aus dem Ausland abhängig, kann es bei seltenen Erden den Spieß umdrehen. In der Rohstofffrage steht für den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Antonio Tajani, "die führende Rolle Europas in neuen Technologien und Innovation" auf dem Spiel, wie er in Brüssel mitteilen ließ: "Deswegen müssen wir sicherstellen, dass der Zugang zu Rohstoffen für Unternehmen nicht behindert wird."
17 umkämpfte Elemente
Seltene Erden sind metallische Grundstoffe. Im Periodensystem sind es 17 Elemente, darunter Scandium, Yttrium und Lanthan. Sie haben außergewöhnliche Eigenschaften und gelten etwa für Metalllegierungen und Spezialgläser als unentbehrlich. In vielen Schlüsseltechnologien spielen sie eine wichtige Rolle. Die Bandbreite ihrer Verwendung reicht von Batterien über Mobiltelefone, Laser, Flachbildschirme bis hin zu Luftwaffensystemen. Auch für die Herstellung von Hybrid-Fahrzeugen sind die Rohstoffe wichtig.
Entdeckt wurden die Bodenschätze Ende des 18. Jahrhunderts in Schweden. Sie kamen in seltenen Mineralien vor und wurden als Oxide (Sauerstoffverbindung, früher auch "Erde" genannt) isoliert. Daher stammt der Begriff seltene Erden. Die Grundstoffe selbst sind nicht selten, einige kommen sogar häufig vor. Allerdings liegen die bekannten Vorkommen zu einem Großteil in China und werden auch fast ausschließlich dort abgebaut.
Da China die Rohstoffe lange vergleichsweise günstig anbot, lohnte sich die eigene Förderung für viele Industriestaaten nicht. Manche Minen wurden wieder geschlossen.
la/dpa-afx
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