Frankfurt am Main - "Am Aktienmarkt macht sich eine gewisse Grundskepsis und Ratlosigkeit breit", sagte ein Händler. "Viele fragen sich, ob es wirklich eine weitere Erholung gibt oder ob wir in ein düsteres Szenario einer Rezession oder gar Deflation stürzen." Der Dax
schloss 0,6 Prozent tiefer bei 6117 Punkten. Der europäische Stoxx 50
gab 0,4 Prozent auf 2531 Stellen nach. Die Feinunze Gold kostete 1255,80 Dollar und lag damit weniger als zehn Dollar unter ihrem Allzeithoch.
Den Pessimismus befeuerten unerwartet schwache deutsche Konjunkturdaten und Nachrichten zur Haushaltslage Ungarns. Bankaktien litten unter der Diskussion um die Regulierung der Finanzbranche, die den Kapitalbedarf der europäischen Banken hochschrauben dürfte.
Der überraschende Auftragseinbruch der deutschen Industrie im Juli lag vor allem an weniger Bestellungen aus dem Ausland. "Das ist eher ein leichter Dämpfer", kommentierte HSBC-Trinkaus-Volkswirt Stefan Schilbe. " Zur Nervosität trugen zudem Nachrichten aus Ungarn bei. Ministerpräsident Viktor Orban hatte erklärt, der Haushalt 2010 beruhe auf falschen Zahlen. Die Regierung habe schnell handeln müssen, um die Finanzlage zu stabilisieren.
Unter Druck standen insbesondere Bankaktien, der europäische Stoxx-Branchenindex gab 1,2 Prozent nach. Auslöser war laut Händlern die anhaltende Diskussion der unter dem Schlagwort Basel III diskutierten schärferen Eigenkapitalvorschriften für die Branche. Die Baseler Bankenaufseher einigten sich auf Empfehlungen für verschärfte Vorschriften, allerdings sollen diese zunächst den Chefs der beteiligten Notenbanken und Finanzaufsichtsbehörden vorgelegt werden.
Im Dax gehörten die Titel der Deutschen Bank
und der Commerzbank
mit Kursverlusten von 1,7 beziehungsweise 2,1 Prozent zu den größten Verlierern. Ähnlich das Bild an den anderen europäischen Börsen: In Paris büßten die Aktien der Societe Generale fast 4 Prozent ein, in London die von Barclays
und ING-Titel
in Amsterdam je 2,7 Prozent ein.
Schlusslicht im Dax waren Infineon-Aktien
mit einem Minus von 3,6 Prozent. Der Halbleiterkonzern will seine Aktionäre nicht unmittelbar an den Erlösen aus dem Verkauf seiner Mobilfunksparte teilhaben lassen, wie Infineon-Chef Peter Bauer in einem Zeitungsinterview sagte. Spekulationen auf eine Senkung der Jahresprognose belasteten Händlern zufolge die Papiere des Salz- und Düngemittelkonzerns K+S
. Nachdem das Kasseler Unternehmen seine Prognose bestätigt hatte, grenzten die Titel ihre Verluste allerdings auf ein Minus von 2 Prozent ein.
Am Devisenmarkt haben sich die Anleger am Dienstag risikoscheu gezeigt und den Euro abgestoßen. Auf der Suche nach sicheren Anlageklassen flüchteten die Investoren verstärkt in den japanischen Yen und den Schweizer Franken. Zur Währung der Eidgenossen rutschte der Euro
auf ein Rekordtief von 1,2844 Franken. Händler machten für die Nervosität am Markt schwache Konjunkturzahlen aus Deutschland sowie mögliche Belastungen für europäische Banken durch schärfere Eigenkapitalvorschriften verantwortlich. Der Euro-Kurs
fiel bis zum Nachmittag zudem gegenüber der US-Devise um 1,2 Prozent auf 1,2718 Dollar.
Die Risikoscheu der Anleger machte sich auch am Rentenmarkt bemerkbar. Der Bund-Future legte um 76 Ticks auf 133,17 Punkte zu. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,241 Prozent. Zugleich vergrößerten sich die Renditeabstände zwischen der Bundesanleihe und denen anderer europäischer Länder, vor allem zu denen Irlands und Portugals.
Die Ölpreise sind am Dienstag vor allem wegen des steigenden Dollarkurses gesunken. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober 73,65 Dollar. Das waren 95 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent stieg um 2 Cent auf 76,85 Dollar. Die Kursgewinne des Dollar zum Euro hätten die Ölpreise gedrückt, sagten Händler. Zudem belaste auch die trübe Stimmung an den Aktienmärkten die Ölpreise.
kst/dpa-afx/ddp/reuters
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